2:1-Sieg gegen das Projekt

Schlaudraff!

In der Saison 2008/09 trat die TSG Hoffenheim, die sich gerne aus Traditionsgründen selbst noch eine 1899 anbatscht, das erste Mal in der Bundesliga an, um mit viel Geld und wenig Fans den deutschen Fußball zu revolutionieren. Spieler aus der eigenen Jugend (oder eher: Spieler, die der Konkurrenz für viel Geld weggekauft wurden) sollten dieses organisch gewachsene Gebilde (oder eher: dieses durch einen Mäzen aus dem Boden gestampfte Gebilde) mit Fußball der modernen, herzerfrischenden Art an die Spitze der Bundesliga katapultieren.

In der besagten Saison klappte das anfangs noch ganz gut. Immerhin wurde man bei der Bundesliga-Premiere Herbstmeister und man belegte am Ende der Spielzeit einen für einen Aufsteiger beachtlichen achten Platz. Das Zittern der Traditionalisten in den anderen Clubs vor einem Haufen Vereine, die analog hochgezüchtet werden könnten hallte noch lange in die Sommerpause nach.

Doch schon in der nächsten Saison musste sich das Projekt weiter nach unten statt nach oben orientieren. Platz 11 stand am Ende zu Buche und sorgte für erste Missstimmungen im Hoffenheimer Idyll. Die gleiche Platzierung konnte in der vergangenen Spielzeit wiederholt werden und der Bundesliga-Alltag holte Hoffenheim endgültig ein: Spieler wurden gegen den Willen des Trainers verschachert, der ach-so-tolle Konzepttrainer Trainer verließ das sinkende Schiff, um Teil des an Lächerlichkeit kaum zu überbietenden Trainer-Wechsel-dich-Spielchen zu werden.

An diesem Spielchen nahm auch der aktuelle Trainer der TSG teil, der mit ganz dolle Pipi in den Augen beteuerte, dass er immer ein Hamburger bleiben würde, um im gleichen Atemzug St. Pauli in Richtung Hoffenheim zu verlassen.

Nun stand der „Stani“ also am vergangenen Samstag zum ersten Mal in der Bundesliga als Chef-Trainer des Projekts an der Seitenlinie, um im hannoverschen Niedersachsenstadion die beinahe-Katastrophe aus der ersten DFB-Pokal-Runde vergessen zu machen.

Mit mäßigem Erfolg.

Hannover 96 war an diesem Saisonauftakt einfach die clevere Mannschaft und hatte mit Jan Schlaudraff einen ausgefuchsten Spieler auf dem Platz. Bereits nach 15 Minuten sorgte der Spieler, der – wir erinnern uns – laut Martin Kind nie wieder für Hannover 96 spielt, mit einem außergewöhnlichen Freistoß für die 1:0-Führung. In Hoffenheim weint man seitdem, wie böse und gemein doch Schiedsrichter Kinhöfer sei. Und in einem Forum der TSG fragt man sich wohl immer noch, ob man nicht beim DFB Anklage erheben könne (so ungefähr ab hier wird’s lustig). Zugegebenermaßen ist die Aufregung ja zu verstehen, aber das ausgerechnet in Hoffenheim vermutet wird, das irgendwas gekauft sein könnte, ist mindestens mit einem feinen Hauch an Ironie belegt.

Viel mehr als dieses Tor ist von dem Spiel leider nicht zu erwähnen: Die beiden anderen Tore fielen nach Elfmetern, wobei der für Hoffenheim durch eine einigermaßen ungeschickte Aktion von Pogatetz und der für Hannover durch eine einigermaßen geschickte Aktion von Schlaudraff zustande kam.

Den Rest des Spiels verwaltete 96 das Ergebnis im Stile einer Spitzenmannschaft, wobei die Harmlosigkeit der Hoffenheimer im Abschluss sicher auch ihren Teil zum dreifachen Punktgewinn beitrug. Aber danach fragt spätestens nach dem 34. Spieltag eh keiner mehr nach.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass der Trend der letzten beiden Jahre sich fortsetzt: Wer am ersten Spieltag gegen Hannover spielen muss, steigt ab.

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