Pyroshows, Plastikfahnen und keinen Fisherman’s Friend

Es überraschte schon ein bisschen, dass Schlaudraff sich mit der Startelf vor dem Spiel warm machte. Daniel meinte ja: „Der spielt nicht, der trägt doch ein Leibchen.

Nun ja, ich kann ihm nicht bei jedem Spiel aufbröseln wie der Experte (ich), mit einem Blick sofort die Dinge erkennt, als würde man im Presseraum die Mannschaftsaufstellung in die Hand gedrückt bekommen. Vielleicht war ich auch deswegen so unglaublich enttäuscht, weil er mir keinen Fisherman’s Friend aus seiner Packung angeboten hatte.

Erst gibt er Melanie eine leckere Pastille, steckt sich selber eine in den Mund und verstaut dann, meinen bettelnden Blick ignorierend, das Tütchen mit dem köstlichen Inhalt wieder in die Tasche. Kein Scherz!

Irgendwann ist dann jedem klar: Schlaudraff spielt! Daniel nickt mir zu, als hätte er meine Vermutung lange vorher schon geahnt und haucht mir den unverkennbaren Geruch von Menthol ins Gesicht.

Die erste Halbzeit enthält dann auch alle schönen Dinge, die ich mir ausgemalt hatte: Schlaudraff von Beginn an, wir machen das Spiel, wir machen ein Tor, Kopenhagen will tief stehend verteidigen und mal einen Konter fahren (was nicht einmal gelingt) und wir knacken deren Abwehrriegel. Es nervt nur, gerade mal einen Treffer erzielt zu haben.

Ya Konan ist für mich nur noch ein Schatten vergangener Tage. Auch wenn er über die rechte Seite ab und an für den Hauch von Gefahr sorgte, verpuffte seine Dynamik irgendwie. Man hat immer das seltsame Gefühl, wenn er abspielen sollte, ist er zu egoistisch und wenn er mal abschließen müsste, sucht er den Mitspieler.

Pander fand ich ziemlich cool. Ein Interview mit ihm war für mich mal total erschreckend, weil er sich überhaupt nicht für Fußball interessiert. Wie jetzt? Kann doch nicht sein? Der muss doch Adrenalin freisetzen und fühlen, wie unglaublich es beispielsweise war gegen England zu treffen oder wie es sein muss mit Hannover in der Europa League zu spielen?

Dieses kühle Abrufen seines Talents ist mir erstmals gestern aufgefallen. Er wirkte fitt und selbstsicher. Das reicht dann auch für ihn um einen richtig guten Job zu erledigen. Wo und wie und gegen wen scheint nicht so wichtig. Das kann dann natürlich auch ein Vorteil sein.

Die zweite Hälfte war kacke. Da wollten wir dann locker flockig unseren Stiefel runter spielen. Kopenhagen schaltete einen Gang hoch was die Laufbereitschaft betraf und zeigte plötzlich den Willen selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Das konnte unsere geliebte Mannschaft nicht so richtig einordnen. Was folgte war Verunsicherung. Daraus resultierte dann die gesamte Bandbreite, die so ein Spiel zum kippen bringt. Kennen wir ja schon, zwei völlig verschiedene Halbzeiten eben.

Es fällt ein überflüssiges doofes Gegentor zum 1:1. Vieles deutete darauf hin. Die Gäste waren zurück im Spiel. Und das absolut verdient.

Nach unserem ersten Tor brannten bei uns die Bengalos im Block. Die Gäste ließen sich nach ihrem Tor nicht lange bitten und zogen ihrerseits die mitgebrachte Feuerwerkstechnik aus ihren …… Keine Ahnung woraus. Jedenfalls qualmte es ziemlich oft.

Fußball ist auch deswegen so schön oder so schlimm, weil der Spielverlauf keineswegs auf das Endergebnis schließen lässt.

81. Minute: Pinto. Ball. Schuss. Tor. Abdrehen. Europapokal! Alles ist gut. Gleich ist es vorbei. Verdammte Axt! Wie geil ist das denn?

89. Minute: Krawumm! Ausgleich. Aus. Vorbei. Gefühlte Niederlage. Was? Hallo? Wie jetzt?

Immerhin hat Poltawa in Lüttich ein 0:0 geholt. Die Tabellensituation in unserer Gruppe sieht dann momentan so aus:

  1. Standard Lüttich (5 Punkte)
  2. Hannover 96 (5 Punkte)
  3. FC Kopenhagen (4 Punkte)
  4. Worskla Poltawa (1 Punkt)

Au backe! Meine armen Nerven. Das wird kein Spaziergang.

2 thoughts on “Pyroshows, Plastikfahnen und keinen Fisherman’s Friend

  1. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich noch exakt zwei Fisherman’s in der Tasche hatte. Und da geht der Kugelfisch natürlich vor!

  2. Tief in meinem Herzen habe ich das gewusst, aber der Kopf wollte mir etwas anderes einreden.