Ein kurzes Zwischenfazit

Acht Bundesliga-Spieltage ist die Saison jetzt alt. Hinzu kommen noch eine DFB-Pokal-Begegnung und sechs Spiele auf internationalem Parkett. Summa summarum wurden also bereits 15 Partien absolviert, was bis vor kurzem fast dem Pensum einer halben Saison entsprochen hätte. Damit ist durchaus jetzt schon ein Zeitpunkt erreicht, an dem man sich ein erstes, kleines Fazit zurecht basteln kann.

41 Tore für Hannover stehen 21 Gegentreffer gegenüber. Liest sich toll, ist aber Blendwerk, denn allein 16 Treffer wurden gegen das Kanonenfutter aus Breslau und Nöttingen geschossen. Zwar gab es auch in der Bundesliga – und die sollte bei aller Europa-Gier immer noch das Maß der Dinge für 96 sein – auch Spiele mit vielen Treffern (Wolfsburg, Bremen, Nürnberg), doch insgesamt ist die nationale Ausbeute eher bescheiden.

Insbesondere die Begegnungen gegen Hamburg, Hoffenheim und Frankfurt taugen dazu, um die ein oder andere Augenbraue hochzuziehen. Natürlich: Hamburg scheint sich (leider) von den Problemen des letzten Jahres befreit zu haben. Natürlich: Hoffenheim hat zumindest auf dem Papier weiterhin einen teuren (und vielleicht auch guten) Kader. Natürlich: Frankfurt ist zum jetzigen Zeitpunkt die Überraschung der Saison.

Doch das alles ändert nichts daran, dass vor allem die Auswärtsspiele – wie schon in der letzten Saison – völlig ohne Konzept bestritten werden. Eine Handschrift des Trainers ist nicht (mehr!) erkennbar.

Hinzu kommt, dass eine große Anzahl von Spielern ihrer Form hinterherläuft. So strahlt Ron-Robert Zieler derzeit alles andere als Sicherheit aus. Zwar ist er in eins-zu-eins-Situationen weiterhin zu großen Taten in der Lage, doch sowohl bei hohen Bällen als auch in der Spieleröffnung sieht Zieler häufig gruselig schlecht aus. In der Abwehr bleibt festzustellen, dass beide Außenverteidiger häufig einen überforderten Eindruck machen und die Innenverteidiger viel zu oft die Kopfballduelle verlieren.

Auch in Mittelfeld und Sturm ist derzeit eine Menge Sand im Getriebe. Für Sergio Pinto da Silva scheinen die neuen Buchstaben auf seinem Trikot einen zu großen Ballast darzustellen. Selten hat man ihn so oft so schlecht in die Zweikämpfe kommen sehen. Lars Stindl ist ebenfalls im Moment nur ein Schatten seiner selbst. Der erneute Ausfall von Leon Andreasen wiegt unglaublich schwer, denn seit seiner Verletzung fehlt dem Mittelfeld ein entscheidendes antreibendes Element, von dem Huszti in den ersten Spielen enorm profitiert hat.

Der Sturm unserer Roten gehört zwar weiterhin zur Crème de la Crème der Bundesliga. Doch Ladehemmungen und fehlende Präzision sind im Augenblick nicht zu übersehen. Hinzu kommt, dass die Angreifer derzeit mit so wenig Bällen gefüttert werden wie in schlimmsten Hecking-Zeiten. Wäre die Effizienz der Vergangenheit wenigstens noch vorhanden – aber gerade Moa fehlt diese im Augenblick vollends.

Kurz angesprochen seien noch die Standards. Speziell mit Rückblick auf das Spiel gegen die Frankfurter Eintracht müssen sich Mannschaft und Trainer die Frage gefallen lassen, was da im Moment falsch läuft. Weder Freistöße, noch Ecken sorgen im Moment für Gefahr in des Gegners Strafraum. Vielmehr kann der ruhende Ball eigentlich gleich als Ballgewinn für den Gegner verbucht werden.

Natürlich ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Wir sind immer noch Hannover 96. Wir haben immer noch einen vergleichsweise kleinen Etat und unser Potential ist weiterhin eher für einen neunten als für einen fünften Platz ausreichend. Trotzdem darf man – verwöhnt von den letzten beiden Jahren – ein wenig Verwunderung und Sorge ob der Entwicklung zeigen.

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