Körperverletzung

Mittwoch. 19.50 Uhr. Durch die Vater-Pflichten lange ans Zuhause gebunden erreiche ich das Stadiongelände. Laute Dorf-Disco-Bumm-Bumm-Musik schallt mir entgegen, doch die Hoffnung, sie käme vom benachbarten Oktoberfest, löst sich schnell in Luft auf. Gegen 19.55 Uhr (huch, keine Schlangen am Einlass?!) erreiche ich meinen Platz und freue mich auf eine spannende, ansehnliche Fußballpartie zwischen meinen Roten und der hässlichen Ziege aus Köln. Hässlich im Wortsinn, denn wer sich diese Auswärtstrikots für die Kölner ausgedacht hat, gehört geviertelt. 96 legt los wie die Eisenbahn. 1. Chance in der 5. Minute, ich gucke gerade nicht hin, kein Tor. Kommentar zur Sitznachbarin: „Jetzt gucke ich wieder, die dürfen jetzt also treffen.“ Wenige Sekunden später schiebt Joselu den Ball ins Tor, nachdem Briands Schuss noch abgeblockt werden konnte. Freude im weiten Rund.

Auch die nächste Viertelstunde lässt sich gut ansehen. 96 dominiert und spielt, Köln guckt blöd aus der Wäsche. Aber dann auf einmal ist Schluss mit der Herrlichkeit. Wie aus dem Nichts heraus funktioniert von jetzt auf gleich gar nichts mehr, und die nächsten 70 Minuten folgt nur noch ein müdes Ballgeschiebe der Roten. Der Effzeh versucht sein Bestes, was allerdings nicht viel ist. Spätestens die letzten Meter vorm Tor sind aus Kölner Sicht nicht bundesligareif. Dankenswerterweise gibt Utze hinter mir stimmlich Vollgas, sodass ich alle paar Minuten aus dem Fast-Schlaf gerissen werde, was zur Folge hat, dass ich dieses gruselige Gekicke auf dem Platz die volle Zeit (+ 5 Minuten Nachspielzeit) ertragen muss. Insbesondere unser Mittelfeld (ohne Ausnahme) nervt. Kiyotake gelingt gar nichts, Andreas und Gülselam spielen aus, wer die höhere Fehlpassquote bei offensiven Pässen schafft und Bittencourt ist endlich wieder Bittencourt und stirbt in Schönheit. Tat ernsthaft weh sich das anzugucken.

Stimmung – an der Diskussion über sie wird man wohl diese Saison nicht vorbei kommen – gab es dieses Mal so gar keine. Das große Schweigen im Walde konnte erst unterbrochen werden, als es Kind-muss-weg-Rufe gab. Vorher wurde doch ernsthaft sogar bei einer 1:0-Führung gepfiffen, was angesichts der Lethargie auf dem Platz zu verstehen, aber aufgrund des Spielstandes irgendwie doch scheiße ist. Anständig. Oder so.

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