Hertha auswärts

Mauerfall-Wochenende in Berlin und wir eröffnen unter Flutlicht den Spieltag am Freitag in der Hauptstadt. Bei der Deutschen Bahn herrscht Streik, die diversen Werbesprüche im Stadion sorgen für viel Heiterkeit. Schließlich ist die DB Sponsor der Hertha. „DB – Partner des Fußballs“ „…macht mobil“ „…schneller am Ziel“. Ja ja, DB am Arsch!

Die beiden Mannschaften, die heute aufeinandertreffen sind schwer einzuschätzen. Zu wenig Konstanz herrschte in den letzten Spielen. Wir können mit unserer Punkteausbeute mehr als zufrieden sein. Wer so wenig Tore schießt und so gut in der Tabelle steht, gilt wohl als sehr effektive Mannschaft. Beide Teams haben sich gegen unterklassige Gegner aus dem Pokal verabschiedet. Knapp 40.000 Zuschauer wollen sich das Spiel im Stadion ansehen. Es ist also viel Platz vorhanden und das Ticket kann man sich gemütlich an der Tageskasse holen. Block F neben dem Gästeblock ist eine gute Wahl. Es schwirren vor den Eingängen sehr viele Leute rum, die Karten verkaufen möchten – die erwarteten Bekannten werden nicht kommen, weil die Züge nicht in die Hauptstadt fahren.

Es sind dann aber doch eine Menge Fans von 96 im Stadion. Gut verteilt im Gästeblock und drum herum. Die Ostkurve singt sich ein und übt Kritik an der aktuellen Situation in Hannover, auch RB bekommt noch einen mit. Auch wenn die Sprüche ein wenig einfallslos sind, kann ich den Inhalt teilen.

Peter Sippel pfeift das Spiel pünktlich an. Die Roten zeigen von der ersten Minute, wie sie sich das hier vorstellen. Aggressiv am Gegner und taktisch diszipliniert. Berlin kommt überhaupt nicht ins Spiel. Unsere Doppelsechs aus Schmiedebach und Gülselam macht einen guten Job im Mittelfeld. Schmiedebach kann noch mehr überzeugen, seine erkämpften Bälle kommen oft beim richtigen Mitspieler an. Gülselam tritt mehr als Abräumer auf, gewinnt viele Kopfbälle und Zweikämpfe. Allerdings fehlt ihm oft die Übersicht wenn er den gewonnen Ball weiterleiten soll.

Hinten links verteidigt Thesker. Aus der Entfernung sieht er aus wie der junge Mertesacker. Hinter Joselu als Spitze soll Kiyotake für Ideen und Abschlüsse sorgen. Bittencourt und Briand sollen die Außen beackern. Mit Schulle in der Innenverteidigung neben Marcelo. Sakai hinten rechts mit dem Hang zu offensiven Ausflügen.

Marcelo steht unglaublich gut. Das wirkt sehr souverän was er da tut. In der Luft kaum zu schlagen. Auch sonst steht er immer richtig. Der Bengel hat eine gute Entwicklung hingelegt. Noch hervorzuheben ist Schmiedebach. Mit viel Biss geht er in die Zweikämpfe und holt viele Bälle. Treibt die Gegner zur Verzweiflung und ist der coole Boy wenn gegen ihn gepfiffen wird. Ohne groß zu diskutieren zieht er sich zurück und freut sich auf den nächsten Zweikampf. Macht Spaß, was der Junge da macht.

Briand wirkt manchmal überhastet, wenn er den Ball bekommt. Nach einer Ecke fällt dann aber die verdiente Führung für uns. Per Dropkick haut Jimmy den Ball in die Maschen. Sehr verdient. Große Freude im Gästebereich. Für sein erstes Bundesligator wird der Schütze auf dem Platz entsprechend gefeiert. Sauber!

Wir stehen gut, sind laufstark und geben der Hertha keine Räume. Wir lassen nur wenige Chancen zu. Zieler muss wenig eingreifen. Die Berliner finden kein Mittel gegen unsere Doppelsechs und bleiben häufig hängen. Nicht immer können wir das ausnutzen. Aber uns werden viele Räume gelassen. Das müssen wir nur besser nutzen.

In der zweiten Halbzeit sieht es nicht anders aus. Nach Fehler von Plattenhardt kommt Bittencourt an den Ball und erreicht Kiyotake, der sich schön vor das Tor tanzt und die Pille aus kurzer Distanz in die Maschen ballert. Absolut verdient. Hier wird nichts mehr anbrennen.

Ein super Auftritt unserer Jungs. Hertha war wirklich schlecht. Bzw. war da wohl mehr gegen uns nicht möglich. Mit sagenhaften 19 Punkten nach 11 Spielen, bei nur 9 geschossenen Toren haben wir uns Platz 4 in der Tabelle gesichert.  Auch wenn die Europapokal-Gesänge im Stadion ein wenig zu früh kommen. Aber das war schon ne geile Nummer. Und dann kommen da ja noch ein paar verletzte Spieler zurück. Insbesondere Stindl kann da noch für frische Ideen sorgen. Ich bin gespannt wo die Reise hingeht.

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