Raus, raus, raus! Der Dirk ist raus!

Das Ende kam so überraschend, wie es überfällig war. Kaum einer in der hannoverschen Fanlandschaft dürfte – im Gegensatz zum Boulevard-Blätterwald – Dirk Dufner eine Träne hinterherweinen, wenn er dann schließlich am Ende des Monats 96 auf angeblich eigenen Wunsch hin verlassen wird.

Der Zeitpunkt ist allerdings verwirrend. Dufner wird aus dem roten Ruderboot, in dem er nie wirklich gesessen hat, aussteigen, nachdem er einen Kader für die neue Saison zusammengestellt hat, der zumindest vielen großen Fragezeichen bestückt ist. Viel „junges Gemüse“ wurde geholt, ein sogenannter Königstransfer, also ein erfahrener Spieler, an dem sich die jungen vielleicht auch einmal aufrichten könnten, fehlt. Hinzu kommt, dass einfach vollkommen unklar ist, wie viel Qualität eingekauft und ausgeliehen wurde. Die Testspiele, die man sicherlich nicht überinterpretieren sollte, lassen einen mit einem zumindest mulmigen Gefühl zurück. Mittelfeld und Angriff wirken wenigstens auf den ersten und zweiten Blick deutlich schwächer als in der Vorsaison. Und wie knapp diese ausgegangen ist, dürfte noch jeder in unguter Erinnerung haben.

Und ausgerechnet jetzt entschwindet der Macher dieses Kaders?! Zwei mögliche Szenarien gibt es, die diese Situation erklären würden.

Variante 1, das offizielle Bild: Dufner ist wirklich selbst davon überzeugt, gute Arbeit geleistet zu haben. Allerdings sieht die Bewertung durch Kind und die anderen Investoren diesbezüglich anders aus und man hält es für notwendig, die Notbremse zu ziehen. Dufner wird in den nächsten Tagen für den Rest der Monats freigestellt und der bereits in der Pipeline wartende Nachfolger präsentiert. Dieser hat denn noch etwa drei Wochen Zeit, für punktuelle Verstärkungen zu sorgen. Um Dufner die Möglichkeit zu geben, das Gesicht zu wahren, wird nach außen verkündet, Dufner wolle von sich aus gehen und man habe sich deshalb auf seinen Abgang geeinigt.

Variante 2, bösartige Rachegelüste: Die Investoren haben keine Ahnung von Fußball (natürlich haben sie das nicht, sonst wäre Dufner schon längst weg vom Fenster) und sind der Ansicht, Dufner habe tatsächlich gute Arbeit geleistet. Dieser ist jedoch schwer gefrustet von der Situation in Hannover: Ein Großteil der Fans verabscheut ihn, echte Machtbefugnisse hat er nicht, weil alles über den Schreibtisch von Kind laufen muss und als i-Tüpfelchen, haute dieser ihn zum Ende der Saison mehrfach öffentlich verbal in die Fresse. Zur Strafe stellte er nun bewusst einen Kader von schlechter Qualität zusammen und verlässt das sinkende Schiff, bevor er mit eben diesen gemeinsam untergeht.

Das wirklich Schlimme ist: So ganz verübeln könnte man es Dufner nicht einmal, sollte in Variante 2 auch nur ein Fünkchen Wahrheit stecken. Wer hätte keine Rachegelüste, wenn der Chef vor versammelter Mannschaft über einen sagen würde, dass er ja auch keine Ahnung hätte, warum man nie Sportdirektoren bekommen würde, die vernünftige Arbeit verrichten würden. Und sinngemäß hat Kind sich ja exakt so auf der letzten Jahreshauptversammlung von 96 geäußert. Unabhängig davon, dass man sich an dieser Stelle einmal wieder die Frage stellen muss, wer eigentlich die ganze Zeit diese inkompetenten Personen auf Führungspositionen einsetzt, ist das natürlich keine Umgangsform. Dass Dufner also nicht völlig zufrieden den Verein verlässt, dürfte unabhängig vom Wahrheitsgehalt der zweiten Variante, auf der Hand liegen.

Wie dem auch sei – wie es wirklich zu Dufners Ende in Hannover gekommen ist, werden wir eh nie vollständig erfahren. Sicher ist nur, dass der Zeitpunkt ungewöhnlich und ungünstig ist. Welche Folgen das Trara letzendlich hat, werden wir als Fans im Laufe der Saison erfahren und spätestens am 14. Mai 2016 gegen 17.30 Uhr wissen.

2 thoughts on “Raus, raus, raus! Der Dirk ist raus!

  1. Natürlich musste Dufner aus eigenem Antrieb gehen, vom fußballfernsten Kalifen, den die Bundesliga je gesehen hat, auch noch entlassen zu werden, hätte jeden Rest eines guten Rufes nur unnötig verbrannt.

    Jetzt bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, aus welcher Stadt ohne Printmedien und Internetzugang der nächste Proband kommt, der sich die freudlose Vassallenschaft unter Kind antut.

  2. Sehe ich ähnlich, Dufner durfte weitermachen und sein Gesicht wahren, weil ein neuer/besserer Sportdirektor kurzfristig nicht zu bekommen gewesen wäre und die Planungen für die neue Saison längst angelaufen waren. Vielleicht kommt jetzt einer, dessen Vertrag vorher nicht zu lösen war.

    Dufner selbst wirkt ziemlich angeschlagen, warum/wieso auch immer. Ich bin der festen Überzeugung, daß Hannover 96 keinen schönen Arbeitsplatz und vor allem auch keinen freundliche Arbeitsalltag bietet. Das dürfte sich bei einigen Bundesligisten anders verhalten, wenn auch längst nicht bei allen und hat natürlich auch mit dem Boss sowie seinen sehr speziellen Verhaltensweisen zu tun.

    Dufner selbst weine ich nicht hinterher und ob ich mich bei ihm bedanken werde, muss ich nochmal sehen. Ganz so finster finde ich den Kader übrigens nicht und ich habe mehrere Testspiele live vor Ort sehen können.

    Mal abwarten.