Dosensammler (1. Liga)

Ja, ich habe mich gefreut. Auf Paderborn. Ausschlafen und Duschen. Zähneputzen und dann Frühstücken im Gehen auf der Lister Meile zum Bahnhof. Dort treffe ich Erleuchtete. Wir lösen ein Niedersachsenticket nach Nordrhein-Westfalen am Automaten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die S-Bahn teilt sich in Hameln. Währenddessen: Hohe Luftfeuchtigkeit. Wer mitten drin statt nur dabei ist, hinterlässt vormittags übelen Schweißgeruch im vorderen Zugteil. Deshalb setzen wir uns um. In Klasse 1. Endlich gute Luft und wir lernen Günther aus Löhne in Ostwestfalen kennen (der wahre Name ist uns bekannt). Er verrät uns, 72 Jahre alt zu sein. Ich schätze ihn dennoch auf 75. Er sammelt Pfand. Aber keine Pflaschen, denn diese wiegen viel und bringen kein Ertrag. Er hat sich auf Dosen spezialisiert und hortet sein Gut ebenfalls in Klasse 1.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Günther leidet partziell an Demenz, weshalb wir emphatischerweise in Paderborn aussteigen, ohne mit ihm vertiefenderweise geredet zu haben. Er wiederholt sich oft. Würde geht vor, weshalb sein Bild auch im Sinne seine Rente hier nicht auftaucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ja gut. Ein Bahnhof mit Blick auf’s Finanzamt. Rechts davon das Arbeitsamt. Sehr trist. Genau wie das Spiel. Oder dieser Moritz, der Stoppelkamp. Einfach keine Klasse. Schade, Günther, das wär’s.

 

PPPP – Paulus, die Philipper, Pinte und drei Punkte

Es ist Sonntag und es ist der der Tauftag der Kinder. Sowas beginnt früh, den um neunuhrdreißig ist Gottesdienst. Entsprechend unausgeschlafen bin ich auf den Beinen, ohne an die Roten zu denken. Die Predigt handelt von einem Paulusbrief an die Philipper. Um mich kurz zu fassen: Es ging um ein Gleichnis, bei dem die Letzten die Ersten sind. Und: Von einem Gutsherren, der keine Sozialabgaben zahlt. Das erste ist die Botschaft, das zweite die Ableitung und das dritte wird das Spiel gegen den BVB, das mir erstmalig gegen zehn Uhr durch den Kopf geht, treffend beschreiben. Zusammen bekomme ich das ganze aber erst um halbsechs Uhr nachmittags. Der Reihe nach…

Also gut. Seitdem die Roten INTERNATIONAL spielen, sind die Stadionbesuchsintervalle so kurz, dass wenig Vorfreude aufkommt. Und normaligerweise ist es in der Vergangenheit auch so, dass die Roten einen prima Aufbaugegner abgeben. Da der BVB mäßig gestartet ist, rechne ich folgerichtig mit einer Niederlage der Roten. Meine Erwartung wird in der 1. Halbzeit auch nicht enttäuscht. Die Dortmunder haben nicht nur mehr vom Spiel und die besseren Chancen, nein, die Roten spielen dasselbe harmlose Zeug herunter, das sich auch aus den letzten Spielen her in mein Gedächnis zementiert hat. Aber: Für Tore reicht es nicht, was auch an dem knabenhaftigeren Torwart der Roten (-> Adejektiv extra für Herrn Roman Weidenfeller gewählt), nämlich Ron ROBERT Zieler lag.

Ganz anders das Bild in der 2. Hälfte. Die Torchancen häufen sich und der beste BVB Spieler, ein Japaner, dessen Namen ich mehrfach bei asiatischen Fans in gelben Trikots lass, erzielt in südamerikanischer Manier das 0:1. Ganz ehrlich: Scheiß Globalisierung. Meine Laune war auf dem Tiefpunkt angelangt und das aus mehreren Gründen:

1. Mag ich Japan.
2. Mag ich den BVB nicht.
3. Habe ich den eingangs erwänten Brief an die Philipper anders interpretiert und fand die Dortmunder folgerichtig total unkatholisch.

Und so wollte ich meine schlechte Laune für den Montag konservieren als Sergio Pinto eingewechselt worden ist. Das Spiel der Roten wurde nicht besser, wohl aber die Körpersprache. Pinte kommt zum Schluss und macht den Unterschied aus. A propos Schlussphase: Drei Chancen, zwei Tore, drei Punkte und wieder zurück zum Gleichnis:  Artur Sobiech wird als letzter eingewechselt und fliegt als erster vom Platz.

Bleibt nur noch die Frage: Werden die Sozialabgaben für japanische Profis in der Bundesliga ordnungsgemäß abgeführt?

Mt 20,1-16