Fragekatalog zum Verhältnis zwischen Fans und Vereinskonstrukt

Wie andere Fanclubs, so haben auch wir vor einigen Tagen eine Fragebogen zur aktuellen Situation zwischen Hannover 96 und der „aktiven Fanszene“ bekommen. Der Fragebogen stammt von der „Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“, die am Institut für Sportwissenschaften der Uni Hannover angesiedelt ist. Dieses sei im Sommer beauftragt worden, „zu sondieren, wie sich das Verhältnis innerhalb der 96-Fanszene und zwischen Teilen der Fanszene und Hannover 96 darstellt und wie es ggf. verbessert werden kann.“ Die Zusicherung, dass die Antworten anonym behandelt würden, ist zwar einerseits sympathisch, jedoch lehrt die Erfahrung im Umgang mit 96, dass Anonymität gerne zum Deckmantel der Verschwiegenheit wird, unter dem nur das hervorgezaubert wird, was der Obrigkeit genehm ist (siehe dazu auch die Antwort zu Frage 2a). Auch wenn wir damit vielleicht der KoFaS Unrecht tun, so möchte wir aus diesen Gründen – so wie es andere auch schon getan haben – unsere Antworten offenlegen, um sie öffentlich zu protokollieren; auch um zu zeigen, dass auch Fanclubs, die mit der Ultra-Szene nichts zu tun haben und sich nicht aus pubertierenden Heißspornen, die noch nichts im Leben erreicht haben (diese Unterstellungen werden ja seitens der Fanszene-Kritiker gerne in den Raum geworfen), zusammensetzen, eine kritische Position hinsichtlich der Klubführung  beziehen.

2) Fragen zu euren Erwartungen
a) Was wünscht ihr euch vom Verein?

was könnte der Verein allgemein in Bezug auf den Umgang mit Fans besser machen?
was könnte der Verein konkret im Umgang mit eurem Fanclub besser machen?

Ehrlichkeit, Verlässlichkeit (Verbindliche Protokoll-Führung bei Treffen zwischen Fanclubs und Verein mit zeitnaher Veröffentlichung), keine Willkür (Beispiel: Plötzliches Verbot der jahrelang geschwenkten Haarmann-Fahne aufgrund einer Medien-Kampagne; unabhängig von unserer Position/Einstellung zur Fahne), Respektieren von geltenden Gesetzen und Gerichtsurteilen (dazu gehört auch der Verzicht auf winkeladvokatische Manöver).

b) Was wünscht ihr euch von den aktiven und organisierten Fans (zum Beispiel von den Ultras oder der IG Rote Kurve)?

Was könnten die Ultras besser machen?
Was könnte die IG Rote Kurve besser machen?

Die UH sehen wir als individuellen, fanclub-ähnlichen Zusammenschluss. Wir erwarten seitens der Ultras, dass sie uns als Fanclub keine ungefragten Ratschläge geben, wie wir uns zu verhalten haben; ebenso halten wir es andersrum.
Die IG RK ist – im Gegensatz zur in die Liquidation getriebenen RK e. V. – derzeit keine repräsentative Vertretung der Fanclubs; insofern können wir nicht formulieren, was die IG RK aus unserer Sicht derzeit besser machen könnte.

3) Fragen zum Konflikt zwischen Hannover 96 und einem Teil seiner Fanszene
a) Ihr habt sicherlich von dem Konflikt zwischen Teilen der organisierten Fanszene und dem Verein mitbekommen. Inwiefern berührt euch dieser Konflikt?

Uns als Fanclub berührt er durch das Wegbrechen einer organisierten Fan(club)-Vertretung in Form des RK e. V. und des Engagements, bspw. im Hinblick auf Fahrten.

b) Was ist eure Haltung/Meinung, wie dieser Konflikt entstanden ist?

Vergleiche 2a). Die Sippenhaft für die komplette Kurve für die Verfehlungen eines Teils der Kurve; Drohungen seitens des Vereins in Richtung der damals agierenden RK-Verantwortlichen. Umgang mit dem Fanladen.

c) Wünscht ihr euch eine Wiederannäherung oder Schlichtung in diesem Konflikt?

Ja.

d) Wenn ja,
was sollten aus eurer Sicht die entsprechenden Fangruppierungen tun, um den Konflikt zu schlichten bzw. um eine Annäherung zu ermöglichen?
was sollte aus eurer Sicht der Verein tun, um den Konflikt zu schlichten bzw. um eine Annäherung zu ermöglichen?

Die entsprechenden Gruppierungen sollten die Tür einen Spalt offen lassen. Eine – öffentliche! – Entschuldigung durch Martin Kind, insbesondere für den Befangenheitsantrag / das juristische Vorgehen dürfte unerlässlich sein.

Anmerkung: Die Fragen zum 1. Abschnitt beziehen sich ausschließlich auf den jeweiligen Fanclub (Anzahl der Mitglieder, Anwesenheit bei den Spielen etc.); deshalb haben wir auf die zugehörigen Antworten an dieser Stelle verzichtet. Wen diese Angaben wirklich interessieren, der möge sich mit uns in Verbindung setzen.

Zu Hause (?) gegen Leverkusen

Irgendwie will es mir dieses Mal nicht so recht gelingen, einen Bericht über das Spiel zu schreiben. Zu unklar sind die Gedanken. Die Werkself aus Leverkusen war zu Gast und hat 3:1 gewonnen. Die Tore fielen dabei allesamt in der zweiten Hälfte, wobei Gülselam den Treffer für 96 markieren konnte. Leverkusen schoss die Tore irgendwie aus dem Nichts heraus: Das 0:1 direkt nach der Pause, das 0:2 und das 1:3 nach doofen Situationen. Dabei war das Spiel der Roten so schlecht nicht. Aber man merkte, woran es krankt: Liegt 96 zurück, wird die Mannschaft wackelig und planlos. Die Defensive muss aufgegeben oder zumindest gelockert werden und damit bricht das System von Korkut ein wenig in sich zusammen. Da muss Variabilität her.

Apropos Variabilität: Auch bei den Kind-muss-Weg-Rufen darf sich ruhig etwas ändern. Inhaltlich unterstütze ich diese Rufe vollends, aber ein wenig mehr Kreativität und Abwechselung dürfen es gerne sein. Gestern hätte gut ein fröhliches „Martin, wir hören nichts“ gut gepasst, denn so leise wie gestern war es ewig nicht mehr im Stadion. Selbst für diese Saison ist es ein Tiefpunkt gewesen. Schön wäre vielleicht auch einmal ein „Wir wollen keine Markenschweine“ oder so, aber ich gebe zu: Auch mich bringt derzeit nicht viel dazu, mich irgendwie im Stadion bemerkbar zu machen. Platz 5 in der Tabelle ist zwar schon ganz nett anzuschauen. Spaß macht der Kram aber weiterhin wenig bis gar nicht.

Munich as usual.

30. Minute des gestrigen Spiels der Roten (Hannover) bei den Roten (München). Es steht 2:0 aus Sicht der Gastgeber (Robben und Lewandowski; beide treffen noch einmal zum 4:0 Endstand) und das Geschehen auf dem Platz macht wenig Mut auf Besserung aus Sicht der Gäste. Einzig die beruhigenden Gesten von Pep Guardiola sorgen für ein wenig Entspannung bei mir, denn sie machen klar, dass die Spieler des FCB runterschalten sollen statt 96 abzuschießen. Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, das schöne Wetter zu genießen und meine Unterstände für das Kaminholz aufzubauen, bis mir auffällt, dass ich wohl mit dem Spielbericht dran bin. Nun denn.

Wirklich viel gibt es eigentlich gar nicht zu berichten. Kurzfassung: 96 spielt mit einer – aus meiner Sicht – völlig unangebrachten Taktik und scheiße. München tut gerade soviel, um das Publikum in der Fröttmaninger Arena hinreichend zu unterhalten.

Etwas ausführlicher: Tayfun Korkut richtet seine Mannschaft mit einem 5-3-2 aus. Vielleicht ist diese Grundstruktur keine so doofe Idee. Hinten absichern, bei Ballbesitz auf 3-5-2 umstellen und so ein Übergewicht im Mittelfeld schaffen, um eigene Akzente zu setzen. Leider sieht die Realität bei 96 anders aus. Denn 5-3-2 bedeutete gestern eher ein 8-0-2. Fast das gesamte Spiel über lässt sich 96 hinten rein drücken. Die Mittelfeldspieler stehen den Abwehrspielern nahezu auf den Füßen, was zur Folge hat, dass bei eigenem Ballbesitz eine Entlastung nahezu unmöglich ist: Wird ein Ball in der Defensive erobert und nach vorne gespielt bzw. gedroschen, so landet er nahezu zwangsläufig beim Gegner. Einzig Hiroki Sakai versuchte das Spielsystem sinnvoll umzusetzen und wagte gelegentlich Ausflüge nach vorne auf seiner rechten Seite. Damit setzte er deutlich mehr Akzente als beispielsweise Ceyhun Gülselam, der fast ausschließlich im Bereich zwischen Mittelkreis und 16er agierte – und das dazu noch ziemlich schlecht.

Die logische Folge dieser Ausrichtung – oder ihrer Umsetzung – ist die nicht-existente Tor-Gefahr. Bekennzeichnenderweise und folgerichtig gab es die erste Szene, in der Manuel Neuer aktiv werden musste, auch erst um die 40. Minute herum. Aufgrund eines Rückpasses von Alaba. Der erste Schuss, den 96 auf des Gegners Kasten abgab, erfolgte in der 44. Minute durch Sobiech. Sehen wir das Positive: Immerhin hat er versucht zu treffen. Denn im Gegensatz zu seinem Sturmkollegen in der ersten Halbzeit – Joselu – versuchte Sobiech wenigstens irgendetwas.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Gegentore (zumindest die ersten beiden) nicht unbedingt, dem Spielsystem geschuldet waren sondern den individuellen Fehlern von Marcelo und Felipe. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass das Spiel gestern schon durch die Aufstellung und Ausrichtung verloren gegangen ist, bevor es angepfiffen wurde. Wenn man als Trainer schon nach außen hin ausstrahlt, dass man mit braunem Streifen in der Buchse nach München reist – wie sollen die Spieler denn dann auf dem Feld etwas anderes verkörpern?!