Heimspiel auswärts gegen Union

Yeah! Coole Sache! Die Jungs kommen also ins schöne Stadion an der Alten Försterei. Ich freue mich sehr Björno, Markus, Matti und Jens am Ostkreuz in meine warmen Willkommensarme zu schließen. Parallel sind noch Chris und Daniel mit dem Auto Richtung Berlin unterwegs und werden es erst direkt zum Spiel schaffen, so der Zwischenstand. Meine Karte fährt bei denen mit, aber wird schon alles klappen (danke nochmal Chris!!).

Also geht es erstmal in die Sonntagsstraße zum Späti auf einen schönen Kaffee. Es ist ja schließlich gerade erst 11 Uhr. Nein, das darf man ja gar nicht. Es ist Fußball, wir laufen in meinem alten Kiez rum, da muss man natürlich Bier trinken. Wir halten uns an dieses unumstößliche Gesetz und holen das leckere Getränk. Vor dem Späti „bereiten“ sich auch ein paar Sechsundneunziger und Unioner auf das Spiel vor. Man kommt locker ins Gespräch und nachdem Markus und Matti den Tisch an dem sie draußen sitzen das dritte Mal anrempeln, dass alle Flaschen umfallen, entscheiden wir uns zur S-Bahn zu gehen um nach Köpenick zu fahren.

Am Ostkreuz hat sich jetzt auch die Polizei eingefunden. Aber an der Linie 3 läuft alles ganz harmonisch. Die proppenvolle Bahn ist der guten Stimmung nicht hinderlich. Es wird gefachsimpelt und man kommt mit den Unionern ins Gespräch. So macht Fußball spaß.

Den Brüdern hat sich ein Heimfan angeschlossen, der immer kurz vor dem Spiel am Stadion sein Ticket kauft. Wenn fast Anpfiff ist wären die Preise in Ordnung. Diese Schwarzmarkttaktik ist nicht so ganz mein Ding, weil die Preise ja sowieso moderat sind, aber nun gut.

Es ist ordentlich was los und alle gehen weiterhin sehr gut gelaunt das Stück von der S-Bahn-Station Köpenick zum Stadion. Ich telefoniere derweil mit Daniel und wir wollen uns vor dem Gästeeingang treffen. Die anderen gehen zu ihrer Tribüne und ich mache mich auf den Weg zum Gästeblock.

Es stehen eine Menge Leute vor dem Eingang und ich kämpfe mich bis ganz nach vorne durch, damit ich Chris und Daniel nicht verpasse. Die Schleusen bleiben

Warten auf Einlass

Warten auf Einlass

noch geschlossen. Es gibt irgendwelche Probleme. Meine gute Laune verfliegt. Nicht weil ich warten muss. Nein, weil sich hier viele Besoffene benehmen wie Mitglieder der AfD nach einem Wahlsieg. Ich muss ertragen wie „Deutschland den Deutschen“ angestimmt wird und ich mich in dieser Menschenmenge immer unwohler fühle. Zudem fällt es mir ja sowieso schwer meine Klappe zu halten. Aber dieser Mob würde mir wohl einfach die Fresse polieren, wenn ich jetzt einschreite. Es dauert unendlich lange bis ich die beiden anderen treffe und wir drei Minuten vor dem Anpfiff im überfüllten Gästeblock stehen.

 

Ein Teil des Spielfeldes ist nicht zu sehen, weil die Ultras ihre Fahnen schwenken. Kein Ding, sollen sie machen. Woanders hinstellen geht nicht, zu viel los. Habe ich halt Pech. Hinter mir wird „Juden Berlin“ gerufen. Das verstehe ich jetzt nicht wirklich. Was bedeutet das wohl? Ich drehe mich um und hinter mir steht jemand der genauso aussieht, wie man sich jemanden vorstellt der das rufen würde. Angeekelt versuche ich das Spiel zu verfolgen. Die Vorsänger der Ultras schreien sich die Seele aus dem Leib. Allerdings ist das Liedgut bis auf wenigen Ausnahmen eher so einfacher gestrickt. Es versprüht keinen Esprit, ist nicht witzig und unglaublich schlecht gereimt. Deswegen versuche ich mich weiterhin auf das Spiel zu konzentrieren.

Es kommt mir vor wie ein Déjà-vu wenn ich jetzt schreibe: da fehlt doch der Kreativposten im Mittelfeld! Die Abwehr steht ganz gut. Aber nach vorne hin tun wir uns sehr schwer. Schmiedebach ist wohl einfach traurig, dass es nicht regnet und er so sein Kämpferschweinherz nicht voll ausschöpfen kann, in dem er eine Grätsche mit 10 Metern Schlittern im Matsch verbinden kann. Deswegen spielt er die Bälle uninspiriert zum nächsten Mann. Wir haben ein bis zwei gute Chancen, machen aber insgesamt zu wenig. Verdient liegt Union kurz vor dem Ende mit 2:0 in Führung. Ohne groß was getan zu haben. Einfach eiskalt zwei Buden gemacht.

Was ich nie getan habe, sich aber jetzt unglaublich gut anfühlt, ist vor dem Spielende das Stadion zu verlassen. Ich habe wirklich keine Lust mit diesen Leuten gemeinsam das Stadion zu verlassen. Vielleicht übertreibe ich ein wenig, schließlich gibt es auch genügend nette Menschen darunter, aber die nehme ich an diesem Tag nicht war. Und muss man die Idioten einfach als doofe Begleiterscheinung hinnehmen? Ne, kann ich nicht mehr.

Es war großartig meine Kumpels zu treffen. Mein Resümee zum sonstigen Anhang aus Hannover fällt aber negativ aus. Was war das teilweise für ein peinlicher, dümmlicher und besoffener Haufen. Ein Tag vor dem Spiel haben 96-Anhänger noch in der Simon-Dach-Straße randaliert und sich mit der Polizei angelegt. Abends nach dem Spiel ging es da nochmal zur Sache. Das ist mir unendlich peinlich. Es gibt sicherlich immer Menschen die Stress machen, aber eigentlich gibt es Ecken in Berlin die für eine Offenheit stehen wo alle locker miteinander feiern können. Wie gesagt, es ist zwar Fußball, aber für mich trotzdem nicht normal alles über Bord zu werfen, sich abzuschießen um vielleicht noch ein paar Leuten aufs Maul zu hauen. Das ist nicht mal mehr schade, das ist einfach nur ekelig daneben und peinlich.

Fußballerisch werden wir es schwer haben gleich wieder aufzusteigen. Da muss noch mehr ineinandergreifen und passen. Wir mussten auch über meine neue Heimat Babelsberg schnacken, die Brüder waren damals hier gegen 03, als wir mit unserer unglaublich tollen Offensivpowermannschaft 3:1 gewonnen haben. Simak hat zweimal getroffen. Gut, kann man nicht vergleichen. Aber die Mannschaftsaufstellung von 2002 ist sooo dermaßen geil gewesen: Sievers, Stevie, Linke, Zuraw, Stefuj, Lala, Simak, Kruppi, Stendel, Casey und Keita…Kaufmann und Baba kamen dann auch noch rein….

Ach ja…..

Hertha auswärts

Mauerfall-Wochenende in Berlin und wir eröffnen unter Flutlicht den Spieltag am Freitag in der Hauptstadt. Bei der Deutschen Bahn herrscht Streik, die diversen Werbesprüche im Stadion sorgen für viel Heiterkeit. Schließlich ist die DB Sponsor der Hertha. „DB – Partner des Fußballs“ „…macht mobil“ „…schneller am Ziel“. Ja ja, DB am Arsch!

Die beiden Mannschaften, die heute aufeinandertreffen sind schwer einzuschätzen. Zu wenig Konstanz herrschte in den letzten Spielen. Wir können mit unserer Punkteausbeute mehr als zufrieden sein. Wer so wenig Tore schießt und so gut in der Tabelle steht, gilt wohl als sehr effektive Mannschaft. Beide Teams haben sich gegen unterklassige Gegner aus dem Pokal verabschiedet. Knapp 40.000 Zuschauer wollen sich das Spiel im Stadion ansehen. Es ist also viel Platz vorhanden und das Ticket kann man sich gemütlich an der Tageskasse holen. Block F neben dem Gästeblock ist eine gute Wahl. Es schwirren vor den Eingängen sehr viele Leute rum, die Karten verkaufen möchten – die erwarteten Bekannten werden nicht kommen, weil die Züge nicht in die Hauptstadt fahren.

Es sind dann aber doch eine Menge Fans von 96 im Stadion. Gut verteilt im Gästeblock und drum herum. Die Ostkurve singt sich ein und übt Kritik an der aktuellen Situation in Hannover, auch RB bekommt noch einen mit. Auch wenn die Sprüche ein wenig einfallslos sind, kann ich den Inhalt teilen.

Peter Sippel pfeift das Spiel pünktlich an. Die Roten zeigen von der ersten Minute, wie sie sich das hier vorstellen. Aggressiv am Gegner und taktisch diszipliniert. Berlin kommt überhaupt nicht ins Spiel. Unsere Doppelsechs aus Schmiedebach und Gülselam macht einen guten Job im Mittelfeld. Schmiedebach kann noch mehr überzeugen, seine erkämpften Bälle kommen oft beim richtigen Mitspieler an. Gülselam tritt mehr als Abräumer auf, gewinnt viele Kopfbälle und Zweikämpfe. Allerdings fehlt ihm oft die Übersicht wenn er den gewonnen Ball weiterleiten soll.

Hinten links verteidigt Thesker. Aus der Entfernung sieht er aus wie der junge Mertesacker. Hinter Joselu als Spitze soll Kiyotake für Ideen und Abschlüsse sorgen. Bittencourt und Briand sollen die Außen beackern. Mit Schulle in der Innenverteidigung neben Marcelo. Sakai hinten rechts mit dem Hang zu offensiven Ausflügen.

Marcelo steht unglaublich gut. Das wirkt sehr souverän was er da tut. In der Luft kaum zu schlagen. Auch sonst steht er immer richtig. Der Bengel hat eine gute Entwicklung hingelegt. Noch hervorzuheben ist Schmiedebach. Mit viel Biss geht er in die Zweikämpfe und holt viele Bälle. Treibt die Gegner zur Verzweiflung und ist der coole Boy wenn gegen ihn gepfiffen wird. Ohne groß zu diskutieren zieht er sich zurück und freut sich auf den nächsten Zweikampf. Macht Spaß, was der Junge da macht.

Briand wirkt manchmal überhastet, wenn er den Ball bekommt. Nach einer Ecke fällt dann aber die verdiente Führung für uns. Per Dropkick haut Jimmy den Ball in die Maschen. Sehr verdient. Große Freude im Gästebereich. Für sein erstes Bundesligator wird der Schütze auf dem Platz entsprechend gefeiert. Sauber!

Wir stehen gut, sind laufstark und geben der Hertha keine Räume. Wir lassen nur wenige Chancen zu. Zieler muss wenig eingreifen. Die Berliner finden kein Mittel gegen unsere Doppelsechs und bleiben häufig hängen. Nicht immer können wir das ausnutzen. Aber uns werden viele Räume gelassen. Das müssen wir nur besser nutzen.

In der zweiten Halbzeit sieht es nicht anders aus. Nach Fehler von Plattenhardt kommt Bittencourt an den Ball und erreicht Kiyotake, der sich schön vor das Tor tanzt und die Pille aus kurzer Distanz in die Maschen ballert. Absolut verdient. Hier wird nichts mehr anbrennen.

Ein super Auftritt unserer Jungs. Hertha war wirklich schlecht. Bzw. war da wohl mehr gegen uns nicht möglich. Mit sagenhaften 19 Punkten nach 11 Spielen, bei nur 9 geschossenen Toren haben wir uns Platz 4 in der Tabelle gesichert.  Auch wenn die Europapokal-Gesänge im Stadion ein wenig zu früh kommen. Aber das war schon ne geile Nummer. Und dann kommen da ja noch ein paar verletzte Spieler zurück. Insbesondere Stindl kann da noch für frische Ideen sorgen. Ich bin gespannt wo die Reise hingeht.

Wellen der Liebe

Mit der von Schmadtke herangetragenen Bitte um Vertragsauflösung vor ein paar Wochen, dachte man als Anhänger unseres geliebten Vereins schon wieder: „Alles klar, das ist mein Verein!“ Ein bisschen drunter und drüber, verletzte Eitelkeiten und Machtspielchen oder was soll das jetzt vor dem extrem wichtigen Saisonabschluss? Und da ging es um nichts Geringeres als die Verteidigung des 7. Platzes und somit um die Teilnahme an der Qualifikationsrunde für die Europa League.

John Wayne

Es gab viel zu spekulieren. Bereits in der Winterpause knisterte es im Trainingslager in Portugal ordentlich. Da ruft der Trainer bei Felix Magath an, um sich nach Lakic oder Helmes zu erkundigen. Er wird zappelig und ärgert sich öffentlich über den zu dünnen Kader „mit dem man die Ziele bei Ausfällen nicht erreichen kann“, setzt er Schmadtke öffentlich noch mehr unter Druck. Er geht sogar davon aus, ohne eine Neuverpflichtung in die Rückrunde gehen zu müssen.

Das machte die Position bei einer Verhandlung natürlich nicht leichter, wenn jeder weiß, dass man händeringend nach einem neuen Stürmer sucht.

Und unser unberechenbarer Präsident setzt noch einen drauf und poltert öffentlich dazwischen. Ya Konan hätte Übergewicht und fährt schnelle Autos. Man habe sich zu spät um Lakić bemüht. Und Schmadtke und Slomka könnten noch besser zusammen arbeiten. Rums!

Von „Brocken hinwerfen“ ist dann bei Schmadtke die Rede und er kontert öffentlich der Kritik von Kind. Es knirscht also ordentlich in der Führungsetage. Allerdings schmeißt unser Sportdirektor die Brocken nicht hin, sondern zieht einen an Land. Er kann mit Mame Diouf einen absoluten Volltreffer nach Hannover holen.

Trotzdem bleibt ein bisschen was hängen. War das alles so nötig? Wurde da nur taktiert oder steckte doch mehr hinter all dem Ganzen? Zum Beispiel erkennbare Differenzen? Das konnte man getrost annehmen.

Als jetzt vor einigen Tagen plötzlich bekannt wurde, dass Jörg Schmadtke um Vertragsauflösung gebeten hatte, kam man auch wieder automatisch zu den vermuteten Differenzen zwischen ihm, Slomka und Kind. Schmadtke gab zwar zu 80 % familiäre Gründe an, aber es war auch die Rede davon, das Gesamtpaket würde nicht mehr stimmen. Also gab es wieder unendlich viel zu spekulieren.

Es schien aussichtslos, dass Jörg Schmadtke sich ausgerechnet von Martin Kind umstimmen lassen könnte. In seiner Geschichte als Präsident von Hannover 96 ist er jedenfalls noch nicht sehr häufig als sensibler Chef aufgefallen, dem auch der Wohlfühlfaktor seiner Mitarbeiter am Herzen liegt.

Was jetzt aber passierte ist so ungewöhnlich für unseren Verein und speziell für Martin Kind, dass man sich immer noch kneifen muss, ob dies tatsächlich alles so ausgegangen ist.

Jörg Schmadtke bleibt in Hannover! Alle haben sich lieb. Es wurde eine Lösung gefunden. Die drei Herren aus der Führungsriege haben sich zusammengesetzt und ohne öffentliches Ausplaudern oder Termindruck beschlossen weiter zusammen zu arbeiten. Zudem wird sich gegenseitig „Danke“ gesagt und von „privatem Wohlergehen der Mitarbeiter“ von Hannover 96 gesprochen.

Wie geil ist das denn? Und was ist mit unserem Präsidenten passiert!? Nun denn, weiter geht die wilde Fahrt. Übrigens auch wieder durch Europa!