About RedWilly

1974 in die Welt gesetzt, 1985 auf den Geschmack gekommen, 1992 mit den Gipfel erklommen, um 1996 abzustürzen, seit 2002 wieder am Platz an der Sonne und endlich wieder in Europa unterwegs!

Die Hamburger Krankheit……

….ist nicht nur ein Titel meiner DVD Sammlung, der seit einiger Zeit seiner Würdigung meinerseits harrt, nein, es beschreibt auch ganz gut die Situation des kleinen hsv aus Hamburg. Es ist nicht nur die Tatsache, das sie seit sieben Spielen keinen Dreier aus Hannover enführen konnten, sondern stigmatisiert auch quasi die Chancenverwertung der Hamburger. Ich habe fünf, wenn nicht 100%ige, dann doch 96%ige Chancen der Rothosen gesehen, die an normalen Tagen zu einen Unentschieden, an guten Tagen zu einem Sieg der Hanseaten geführt hätten.

Hamse aber nicht! Und so komme ich zu unseren Roten, die in der ersten Halbzeit engagiert und aggressiv ins Spiel gefunden und relativ früh die Weichen zum Heimsieg gestellt haben. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt die Befürchtung gehabt, hier könnte etwas schiefgehen. Die Mannschaft hat zwar im Laufe der zweiten Halbzeit die Zügel etwas schleifen und den Gegner kommen lassen, ohne aber zuviel zuzulassen, auch wenn einige, wie oben schon beschrieben, Chancen verdammt knapp daneben gingen. Leider bin ich kein Taktikfuchs, erkenne nicht, wenn wieder mal die Doppelsechs den falschen Neuner in den freien Raum vor der Raute stellt, eine Spielverlagerung findet für mich dann in einem anderen Stadion statt und eine hängende Spitze sollte für jeden Mann betrüblich sein. Aber ich erkenne, wenn die Mannschaft kämpft und nicht aufgibt. Und da muss ich sagen hat, Tayfun Korkut bis jetzt die Mannschaft sehr gut eingestellt und vorbereitet – und das ohne Prib und Stindl! Wie wird es werden, wenn die beiden wieder fit werden? Soll es wirklich so sein, das wir endlich auch in der Breite die Qualität haben? Die ersten drei Bundesligaspiele lassen drauf schließen.

Zum Thema Stimmung muss ich sagen, das der Kurve vielleicht nicht die Seele fehlt, da sie durchaus in der Lage ist, die Mannschaft anzufeuern. Es fehlt der Puls oder besser, der Impuls, der in einer schwachen Phase die Mannschaft  mitzureissen vermag und die Tribüne die Hände statt auf die Stirn, ineinander klatschen läßt. Auch ist recht schnell die Stimmung wieder verflogen, weil nichts nachkommt oder eine Situation auf dem Platz wieder ablenkt. Bis sich hier wieder irgendwelche Strukturen entwickeln, die auch mal bei engen Spielen den Lautstärkepegel oben halten, wird einige Zeit vergehen. Bis dahin dürfen wir uns nicht anstecken……

Nach dem Spiel, als ich mich mit meinem Bruder auf den Weg zum Ausgang machte, wurde uns Fans vom Stadionsprecher ein Megasupport unterstellt, denn ich, für mein Empfinden war dieser bis auf zwei Ausnahmen unterirdisch, mit hämischen Lachen quittiert habe. Das nahm der neben mir gehende zum Anlass mir vorzuwerfen „Kein Trikot an, aber über Stimmung meckern“. Gut, ich hatte keins an, auch kein Schal um, nur ein 96 Cap, aber das war wohl über dem Horizont vom Vorzeigefan. Aber wie blöde muss man sein, um so einen Dünnpfiff abzusondern? Oder haben wir hier die Folge einer einseitigen Jubelpresse zu bemitleiden?  Leider fielen mir wie so oft, die treffendsten Argumente, die ich dem Klappspaten um die Ohren hätte hauen könnte, erst ein, als ich schon wieder im Wagen saß. Aber wenn das Vakuum, was die Ultras hinterlassen haben, mit solchen Vollpfosten aufgefüllt wird, dann gute Nacht Nordkurve.

Nicht nur die Mannschaft muss manchmal Lehrgeld zahlen……

Die Tour gen Kopenhagen fing im Grunde mit einem Anruf von Markus während meiner Arbeitszeit an. Die rote Kurve hat auf Facebook kurzfristig noch sieben Rückläuferkarten für einen Fanbus samt Karte für Kopenhagen angeboten und Brüderchen hat zugeschlagen. Natürlich ohne mich bzw. meinen Schichtplan zu fragen, aber den Termin hatte ich mir in weiser Vorraussicht freigehalten. Nun denn, der UEFA Cup findet also auch für uns auswärts statt und so sind wir beide am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr mit Wein (Herri), Weib (Begleitung von Markus) und Gesang (Krächz) am ZOB aufgeschlagen, wo schon eine stattliche Anzahl an Bussen und um Einlaß bittende Rote zugegen waren.

 

Auf der Hin- und Rückreise möchte ich zwei, besser drei Highlights erwähnen. Die Überfahrt mit der Fähre (auf der Hinfahrt als Landratte die Luft der großen weiten Welt genießen, gemischt mit den Abgasen des Ostseeriesen), die große Belt Brücke (auf der Rückfahrt gegen 0 Uhr überfahren, wir waren echt beeindruckt, wie wenig man nachts sehen kann) und der stete Lindwurm, der sich auf den Straßen gen Kopenhagen bewegte. Es ist nicht zu fassen, wieviele sich auf den Weg gemacht haben, noch nicht mal, wenn vor Ort links und rechts vom Gästeblock die roten Fanmassen gesehen und vor allem gehört hat. Es gibt nicht wenige Heimspiele der Roten, wo es, warum auch immer, weniger Spektakel auf den Rängen gab. Gefühlt jeder zweite PKW hatte das Niedersachsenroß auf dem Kennzeichen und/oder Schals/Fahnen in den Fenstern. Ähnliches habe ich zuletzt in der Dritten (!) Liga erlebt, wo auf dem Weg zum Spiel gegen die Amas der Bremer 1998 ähnlich viele rotgesinnte PKWs unterwegs waren. Beeindruckend!

 

Wir haben uns erst Gedanken gemacht, was uns in Sachen Risikospiel und Polizei erwarten würde, zumal ein Blick in meinen Perso am Tag vor der Abreise offenbarte, das im Juli wieder 10 Jahre rum waren und ich doch bitte einen neuen Ausweis beantragen möchte. Im Rathaus war gegen 16 Uhr natürlich alles dicht! 8 Euro und schwummerige Gefühle später, hatte ich am Abend bei der Bundespolizei meinen Ersatzausweis in den Händen, ohne das ich diesen benötigte. Vor der Fähre in Puttgarden gab es ein stattliches Aufgebot von der Trachtengruppe, mit großen Polizei Reisebussen, Zelten und Straßensperren. Aber die Jungs waren alle tiefenentspannt und haben sogar meinen abgelaufenen Ausweis als ausreichend anerkannt. Lediglich die rötlichen Wangen, die lange Haarpracht und der leicht glasige Blick haben einen zusätzlichen Blick Foto-Person-Foto aufgeworfen. Nach 10 Minuten war das ok und wir hatten auch den bundespolizeilichen Segen, in Kopenhagen rote Geschichte zu schreiben.

Vor Ort. Ca. zweieinhalb Stunden vor Anpfiff haben wir das Parkenstadion erreicht und machten uns zu dritt auf den Weg, grobe Richtung Zentrum. Ohne wirklichen Plan, wie wir dahin kommen, in voller Montur und in loser Marschrichtung sind wir der Nase nach rumgelatscht, auch in die Sølvgade. Einige dunkle Gestalten vor einer Bar, und als wir diese erreichten, auch einige drinnen haben sich unerwartet hektisch bewegt. Mit einem knackigen „Das bleibt hier“, damit war mein Schal gemeint und zwar der von der Roten Erleuchtung, wurde dieser einem Zugtest unterworfen, den ich in meinem Fall für mich entschieden habe. Markus musste seinen als Maut dortlassen. Ein besonnener von denen hat sich dazwischen gestellt und uns weggeschickt. Das hätte sonst noch lustig werden können, die Frage, für wen. Markus war dementsprechend sauer und ich konnte meinen Mund nicht halten, so das wir uns zünftig angeblafft haben. Ich verbuche das unter „Selbst schuld“, womit wir beim Titel von diesem Beitrag sind. Kurioserweise haben sie den „96 Fans gegen Rassismus“ Schal erwischt, also entweder schämen sie sich jetzt oder sie fragen sich, wer den bloß dieser Rassmus ist, gegen den wir sind.

Zum Spiel, tja, man kann es kurzmachen, nur das es quasi umgekehrt wie sonst lief, also erste Halbzeit Pfui und zwei Hui, aber mit Sternchen. Mal gucken, ob Stindls Schlenzer zum Tor des Monats wird, das Zeug dazu hat dieser. Der Support war einmalig und eine Demütigung für die Heimfans. Wir haben nach allen Regeln der Kunst den Laden gerockt und wieder einmal unseren Stempel aufgedrückt. Entgegen manchen Unken in der Liga spielen wir eine tolle UEFA Cup Saison und tun alles, um das Punktekonto in der UEFA Wertung aufzustocken. Das wir dabei eine große Chance haben, die nächste Runde zu erreichen, ist wie ich finde, ein netter Nebeneffekt. Dafür gibt man gerne mal einen Schal her!