Das Internet vergisst nichts

Gestern hat 96 gegen müde Bayern durch einen überflüssigen Handelfmeter, verschuldet von Schulz, verloren. Das reicht eigentlich auch schon als Spielbericht über eines der beiden unwichtigsten Spiele der Saison.

Interessanter finde ich es zum Ende der ersten Halbserie hin, ein Zitat aus den tiefen des Internets hervorzukramen. Beim 96-Talk der Neuen Presse rechnete Kind

mit 20 bis 25 Toren von Benschop und Erdinc.

(Das dürfte dann wohl eine fulminante Rückrunde werden.)

Eine schwierige Hinrunde prognostizierte Kind dort zwar auch.

Aber ich bin mir sicher, dass wir Freude an dieser Mannschaft haben werden.

Ich kann mich kaum halten vor Freude über diese Truppe. Ein wahrer Fußball-Experte, dieser…

… Kind…

… muss weg! Vielleicht werden dann ja auch mal wieder richtige Entscheidungen getroffen.

Raus, raus, raus! Der Dirk ist raus!

Das Ende kam so überraschend, wie es überfällig war. Kaum einer in der hannoverschen Fanlandschaft dürfte – im Gegensatz zum Boulevard-Blätterwald – Dirk Dufner eine Träne hinterherweinen, wenn er dann schließlich am Ende des Monats 96 auf angeblich eigenen Wunsch hin verlassen wird.

Der Zeitpunkt ist allerdings verwirrend. Dufner wird aus dem roten Ruderboot, in dem er nie wirklich gesessen hat, aussteigen, nachdem er einen Kader für die neue Saison zusammengestellt hat, der zumindest vielen großen Fragezeichen bestückt ist. Viel „junges Gemüse“ wurde geholt, ein sogenannter Königstransfer, also ein erfahrener Spieler, an dem sich die jungen vielleicht auch einmal aufrichten könnten, fehlt. Hinzu kommt, dass einfach vollkommen unklar ist, wie viel Qualität eingekauft und ausgeliehen wurde. Die Testspiele, die man sicherlich nicht überinterpretieren sollte, lassen einen mit einem zumindest mulmigen Gefühl zurück. Mittelfeld und Angriff wirken wenigstens auf den ersten und zweiten Blick deutlich schwächer als in der Vorsaison. Und wie knapp diese ausgegangen ist, dürfte noch jeder in unguter Erinnerung haben.

Und ausgerechnet jetzt entschwindet der Macher dieses Kaders?! Zwei mögliche Szenarien gibt es, die diese Situation erklären würden.

Variante 1, das offizielle Bild: Dufner ist wirklich selbst davon überzeugt, gute Arbeit geleistet zu haben. Allerdings sieht die Bewertung durch Kind und die anderen Investoren diesbezüglich anders aus und man hält es für notwendig, die Notbremse zu ziehen. Dufner wird in den nächsten Tagen für den Rest der Monats freigestellt und der bereits in der Pipeline wartende Nachfolger präsentiert. Dieser hat denn noch etwa drei Wochen Zeit, für punktuelle Verstärkungen zu sorgen. Um Dufner die Möglichkeit zu geben, das Gesicht zu wahren, wird nach außen verkündet, Dufner wolle von sich aus gehen und man habe sich deshalb auf seinen Abgang geeinigt.

Variante 2, bösartige Rachegelüste: Die Investoren haben keine Ahnung von Fußball (natürlich haben sie das nicht, sonst wäre Dufner schon längst weg vom Fenster) und sind der Ansicht, Dufner habe tatsächlich gute Arbeit geleistet. Dieser ist jedoch schwer gefrustet von der Situation in Hannover: Ein Großteil der Fans verabscheut ihn, echte Machtbefugnisse hat er nicht, weil alles über den Schreibtisch von Kind laufen muss und als i-Tüpfelchen, haute dieser ihn zum Ende der Saison mehrfach öffentlich verbal in die Fresse. Zur Strafe stellte er nun bewusst einen Kader von schlechter Qualität zusammen und verlässt das sinkende Schiff, bevor er mit eben diesen gemeinsam untergeht.

Das wirklich Schlimme ist: So ganz verübeln könnte man es Dufner nicht einmal, sollte in Variante 2 auch nur ein Fünkchen Wahrheit stecken. Wer hätte keine Rachegelüste, wenn der Chef vor versammelter Mannschaft über einen sagen würde, dass er ja auch keine Ahnung hätte, warum man nie Sportdirektoren bekommen würde, die vernünftige Arbeit verrichten würden. Und sinngemäß hat Kind sich ja exakt so auf der letzten Jahreshauptversammlung von 96 geäußert. Unabhängig davon, dass man sich an dieser Stelle einmal wieder die Frage stellen muss, wer eigentlich die ganze Zeit diese inkompetenten Personen auf Führungspositionen einsetzt, ist das natürlich keine Umgangsform. Dass Dufner also nicht völlig zufrieden den Verein verlässt, dürfte unabhängig vom Wahrheitsgehalt der zweiten Variante, auf der Hand liegen.

Wie dem auch sei – wie es wirklich zu Dufners Ende in Hannover gekommen ist, werden wir eh nie vollständig erfahren. Sicher ist nur, dass der Zeitpunkt ungewöhnlich und ungünstig ist. Welche Folgen das Trara letzendlich hat, werden wir als Fans im Laufe der Saison erfahren und spätestens am 14. Mai 2016 gegen 17.30 Uhr wissen.

Fragekatalog zum Verhältnis zwischen Fans und Vereinskonstrukt

Wie andere Fanclubs, so haben auch wir vor einigen Tagen eine Fragebogen zur aktuellen Situation zwischen Hannover 96 und der „aktiven Fanszene“ bekommen. Der Fragebogen stammt von der „Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“, die am Institut für Sportwissenschaften der Uni Hannover angesiedelt ist. Dieses sei im Sommer beauftragt worden, „zu sondieren, wie sich das Verhältnis innerhalb der 96-Fanszene und zwischen Teilen der Fanszene und Hannover 96 darstellt und wie es ggf. verbessert werden kann.“ Die Zusicherung, dass die Antworten anonym behandelt würden, ist zwar einerseits sympathisch, jedoch lehrt die Erfahrung im Umgang mit 96, dass Anonymität gerne zum Deckmantel der Verschwiegenheit wird, unter dem nur das hervorgezaubert wird, was der Obrigkeit genehm ist (siehe dazu auch die Antwort zu Frage 2a). Auch wenn wir damit vielleicht der KoFaS Unrecht tun, so möchte wir aus diesen Gründen – so wie es andere auch schon getan haben – unsere Antworten offenlegen, um sie öffentlich zu protokollieren; auch um zu zeigen, dass auch Fanclubs, die mit der Ultra-Szene nichts zu tun haben und sich nicht aus pubertierenden Heißspornen, die noch nichts im Leben erreicht haben (diese Unterstellungen werden ja seitens der Fanszene-Kritiker gerne in den Raum geworfen), zusammensetzen, eine kritische Position hinsichtlich der Klubführung  beziehen.

2) Fragen zu euren Erwartungen
a) Was wünscht ihr euch vom Verein?

was könnte der Verein allgemein in Bezug auf den Umgang mit Fans besser machen?
was könnte der Verein konkret im Umgang mit eurem Fanclub besser machen?

Ehrlichkeit, Verlässlichkeit (Verbindliche Protokoll-Führung bei Treffen zwischen Fanclubs und Verein mit zeitnaher Veröffentlichung), keine Willkür (Beispiel: Plötzliches Verbot der jahrelang geschwenkten Haarmann-Fahne aufgrund einer Medien-Kampagne; unabhängig von unserer Position/Einstellung zur Fahne), Respektieren von geltenden Gesetzen und Gerichtsurteilen (dazu gehört auch der Verzicht auf winkeladvokatische Manöver).

b) Was wünscht ihr euch von den aktiven und organisierten Fans (zum Beispiel von den Ultras oder der IG Rote Kurve)?

Was könnten die Ultras besser machen?
Was könnte die IG Rote Kurve besser machen?

Die UH sehen wir als individuellen, fanclub-ähnlichen Zusammenschluss. Wir erwarten seitens der Ultras, dass sie uns als Fanclub keine ungefragten Ratschläge geben, wie wir uns zu verhalten haben; ebenso halten wir es andersrum.
Die IG RK ist – im Gegensatz zur in die Liquidation getriebenen RK e. V. – derzeit keine repräsentative Vertretung der Fanclubs; insofern können wir nicht formulieren, was die IG RK aus unserer Sicht derzeit besser machen könnte.

3) Fragen zum Konflikt zwischen Hannover 96 und einem Teil seiner Fanszene
a) Ihr habt sicherlich von dem Konflikt zwischen Teilen der organisierten Fanszene und dem Verein mitbekommen. Inwiefern berührt euch dieser Konflikt?

Uns als Fanclub berührt er durch das Wegbrechen einer organisierten Fan(club)-Vertretung in Form des RK e. V. und des Engagements, bspw. im Hinblick auf Fahrten.

b) Was ist eure Haltung/Meinung, wie dieser Konflikt entstanden ist?

Vergleiche 2a). Die Sippenhaft für die komplette Kurve für die Verfehlungen eines Teils der Kurve; Drohungen seitens des Vereins in Richtung der damals agierenden RK-Verantwortlichen. Umgang mit dem Fanladen.

c) Wünscht ihr euch eine Wiederannäherung oder Schlichtung in diesem Konflikt?

Ja.

d) Wenn ja,
was sollten aus eurer Sicht die entsprechenden Fangruppierungen tun, um den Konflikt zu schlichten bzw. um eine Annäherung zu ermöglichen?
was sollte aus eurer Sicht der Verein tun, um den Konflikt zu schlichten bzw. um eine Annäherung zu ermöglichen?

Die entsprechenden Gruppierungen sollten die Tür einen Spalt offen lassen. Eine – öffentliche! – Entschuldigung durch Martin Kind, insbesondere für den Befangenheitsantrag / das juristische Vorgehen dürfte unerlässlich sein.

Anmerkung: Die Fragen zum 1. Abschnitt beziehen sich ausschließlich auf den jeweiligen Fanclub (Anzahl der Mitglieder, Anwesenheit bei den Spielen etc.); deshalb haben wir auf die zugehörigen Antworten an dieser Stelle verzichtet. Wen diese Angaben wirklich interessieren, der möge sich mit uns in Verbindung setzen.