Wellen der Liebe

Mit der von Schmadtke herangetragenen Bitte um Vertragsauflösung vor ein paar Wochen, dachte man als Anhänger unseres geliebten Vereins schon wieder: „Alles klar, das ist mein Verein!“ Ein bisschen drunter und drüber, verletzte Eitelkeiten und Machtspielchen oder was soll das jetzt vor dem extrem wichtigen Saisonabschluss? Und da ging es um nichts Geringeres als die Verteidigung des 7. Platzes und somit um die Teilnahme an der Qualifikationsrunde für die Europa League.

John Wayne

Es gab viel zu spekulieren. Bereits in der Winterpause knisterte es im Trainingslager in Portugal ordentlich. Da ruft der Trainer bei Felix Magath an, um sich nach Lakic oder Helmes zu erkundigen. Er wird zappelig und ärgert sich öffentlich über den zu dünnen Kader „mit dem man die Ziele bei Ausfällen nicht erreichen kann“, setzt er Schmadtke öffentlich noch mehr unter Druck. Er geht sogar davon aus, ohne eine Neuverpflichtung in die Rückrunde gehen zu müssen.

Das machte die Position bei einer Verhandlung natürlich nicht leichter, wenn jeder weiß, dass man händeringend nach einem neuen Stürmer sucht.

Und unser unberechenbarer Präsident setzt noch einen drauf und poltert öffentlich dazwischen. Ya Konan hätte Übergewicht und fährt schnelle Autos. Man habe sich zu spät um Lakić bemüht. Und Schmadtke und Slomka könnten noch besser zusammen arbeiten. Rums!

Von „Brocken hinwerfen“ ist dann bei Schmadtke die Rede und er kontert öffentlich der Kritik von Kind. Es knirscht also ordentlich in der Führungsetage. Allerdings schmeißt unser Sportdirektor die Brocken nicht hin, sondern zieht einen an Land. Er kann mit Mame Diouf einen absoluten Volltreffer nach Hannover holen.

Trotzdem bleibt ein bisschen was hängen. War das alles so nötig? Wurde da nur taktiert oder steckte doch mehr hinter all dem Ganzen? Zum Beispiel erkennbare Differenzen? Das konnte man getrost annehmen.

Als jetzt vor einigen Tagen plötzlich bekannt wurde, dass Jörg Schmadtke um Vertragsauflösung gebeten hatte, kam man auch wieder automatisch zu den vermuteten Differenzen zwischen ihm, Slomka und Kind. Schmadtke gab zwar zu 80 % familiäre Gründe an, aber es war auch die Rede davon, das Gesamtpaket würde nicht mehr stimmen. Also gab es wieder unendlich viel zu spekulieren.

Es schien aussichtslos, dass Jörg Schmadtke sich ausgerechnet von Martin Kind umstimmen lassen könnte. In seiner Geschichte als Präsident von Hannover 96 ist er jedenfalls noch nicht sehr häufig als sensibler Chef aufgefallen, dem auch der Wohlfühlfaktor seiner Mitarbeiter am Herzen liegt.

Was jetzt aber passierte ist so ungewöhnlich für unseren Verein und speziell für Martin Kind, dass man sich immer noch kneifen muss, ob dies tatsächlich alles so ausgegangen ist.

Jörg Schmadtke bleibt in Hannover! Alle haben sich lieb. Es wurde eine Lösung gefunden. Die drei Herren aus der Führungsriege haben sich zusammengesetzt und ohne öffentliches Ausplaudern oder Termindruck beschlossen weiter zusammen zu arbeiten. Zudem wird sich gegenseitig „Danke“ gesagt und von „privatem Wohlergehen der Mitarbeiter“ von Hannover 96 gesprochen.

Wie geil ist das denn? Und was ist mit unserem Präsidenten passiert!? Nun denn, weiter geht die wilde Fahrt. Übrigens auch wieder durch Europa!