Zahlen, bitte! (Teil 2)

Während der Zuschauerschnitt der Heimspiele ein ganz gutes Messinstrument für die Beliebtheit des Vereins in der eigenen Region darstellt, ist die entsprechende Auswärtsbilanz ein Indikator dafür, wie hoch das Ansehen eines Clubs in der Ferne ist.

Hier hat Hannover 96 traditionell ein Problem.

Häufig verkehren die Roten hier auf den untersten Plätze im Bundesliga-Ranking – so auch in dieser Spielzeit; zumindest was die Gesamtzahl derer anbelangt, die die Spiele mit 96-Beteiligung außerhalb Hannovers sehen wollten. In dieser Statistik belegt Hannover 96 nämlich den letzten Platz. Lediglich 734.451 Zuschauer waren dabei, wenn der Gast aus Hannover kam (Schnitt: 43.203). Diesem Liga-Tiefstwert nahe kommt noch Berlin (43.303). Mainz (44.064, Platz 16) hatte schon deutlich mehr Zuschauer.

Das Spiel in Berlin kann auch zugleich als einer der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden der Roten gewertet werden. Nur 36.997 Zuschauer wollten die Begegnung Berlin-Hannover sehen, was einer Auslastung von 49,83% entspricht. Keine andere Mannschaft zog weniger. Das nächst-schlechtere Ergebnis stammt von Leverkusen mit 59,99%iger Auslastung. Auch Liga-Neuling Augsburg wollten fast 12.000 Zuschauer mehr sehen.

Zu den Top-Mannschaften beim Auswärtsschnitt gehören natürlich München (47.448) und Dortmund (46.554). Auf den zweiten Platz konnte sich die Überraschungsmannschaft aus Gladbach (46.635) schieben. Hier wurden die alten Fan-Potenzialen aus vergangenen Zeiten erfolgreich wiederbelebt.Neben den absoluten Zahlen lohnt es sich auch bei den Auswärtsspielen die durchschnittliche Auslastung der Stadien zu betrachten. Das mag auf den ersten Blick verwundern, ist aber durchaus sinnvoll, da so die Größe des eigenen Stadions herausgerechnet wird.

Hier sieht es besser aus für die Roten: Zwar belegt das Team auch hier nur einen 13. Platz. Die Auslastung von 89,50% ist aber zumindest in Ordnung. Im Durchschnitt waren die Stadien der Bundesliga in der letzten Saison zu 92,81% ausgelastet.

Spitzenreiter sind auch hier wieder die Bayern. Waren sie zu Gast, ist – zumindest offiziell – nie ein Platz in einem Stadion frei geblieben. Nach den vorliegenden Daten lag die Auslastung sogar bei 100,05%. Grund dafür ist, dass das Stuttgarter Neckarstadion offiziell mit 60.000 Zuschauern geführt wird, das München-Spiel aber 60.469 Zuschauer gesehen haben. Auch Dortmund (99,63%) und Schalke (97,43%) kommen auf sehr gute Werte.

Am schlechtesten schnitten völlig überraschend Wolfsburg (88,90%), die lustigen Mainzer (88,45%) und Liga-Neuling Augsburg (88,06%) ab.

Zahlen, bitte! (Teil 1)

Die Saison ist vorbei, Europa wurde wieder erreicht. Da ich mich nicht als geeigneten Kandidaten sehe, über das letzte Spiel zu berichten, überlasse ich das lieber einer Lichtgestalt, die das besser kann.

Was ich angeblich ganz gut kann, ist das jonglieren mit Zahlen. Der erste Teil der kleinen Statistik-Reihe beschäftigt sich mit dem Zuschauerschnitt der Roten bei Heimspielen.

Legt man die Zahlen, die auf kicker.de veröffentlicht werden, zugrunde, so haben in der vergangenen Saison in der Bundesliga 762.035 Zuschauer die Spiele von Hannover 96 besucht. Dies bedeutet einen Schnitt von 44.826 Zuschauern pro Spiel und damit Rang neun im Vergleich mit den übrigen Bundesligisten. Spitzenreiter ist natürlich der Meister aus Dortmund (80.521), vor München (69.000) und Schalke (61.218). Auf den letzten drei Plätzen landen Hoffenheim (28.026), Wolfsburg (27.614) und Freiburg (22.706). Der Durchschnittswert für alle Stadien der Liga lag in dieser Saison bei 45.123 Zuschauern, womit Hannover 96 also knapp unter dem Mittel liegt.

Gemessen an der Stadiongröße sehen die Werte aus hannoverscher Sicht schlechter aus. Das Niedersachsenstadion hat ein Fassungsvermögen von 49.000 Zuschauern, womit die durchschnittliche Auslastung bei 91,48% lag. Klingt gut, ist es aber nicht. Dieser Wert bedeutet nur den 15. Platz im Liga-Vergleich. Schlechter schnitten nur Nürnberg (86,45%; Grund: Dieter-Hecking-Fußball), Kaiserslautern (85,22%; Grund: Absteiger) und Berlin (71,99%; Gründe: Berlin, Hertha und das viel zu große Stadion) ab. Trotz des phänomenalen Erfolgs ist Hannover 96 also weiterhin nicht in der Lage, das Stadion ausreichend zu füllen. Die Zugkraft hängt immer noch all zu oft entscheidend vom Gegner und vom Termin ab. Ausverkauft waren „nur“ die Begegnungen gegen Bremen, Dortmund, Hamburg, Kaiserlautern, Mönchengladbach, München und Schalke. Das Lautern-Spiel profitierte von der Terminierung als letztes Saison-Spiel, bei den übrigen sechs Gegnern füllten die Anhänger der Gäste einen Großteil der Plätze oder die 96-Interessierten kamen nur um die „Großen“ (Haha… Hamburg… groß…) spielen zu sehen. Kommt ein „langweiliger“ Gegner wie der Glubb, so verirren sich nur 35.400 Zuschauer in das Niedersachsenstadion.

Spitzenreiter bei der Stadionauslastung sind wiederum München (100%), Dortmund (99,75%) und Schalke (99,26%), wobei zumindest der Wert aus München angezweifelt werden muss, wenn man bei deren Spielen einen Blick auf die teils leeren Plätze wirft. Der Liga-Durchschnittswert liegt bei einer Stadionauslastung von 92,81%.

So richtig schmeichelhaft sind diese Zahlen aus 96er-Sicht sicherlich nicht. Dennoch sollte man sie nicht zu negativ sehen, denn der Trend in Hannover ist positiv.

Die Grafik zeigt, dass seit der Saison 2005/2006 – die erste, in der das Niedersachsenstadion seinen jetzigen Zustand erreicht hatte – nur 38.419 Zuschauern durchschnittlich Hannover 96 sehen wollten. Seitdem sind die Zahlen jede Saison kontinuierlich gestiegen. Eine Ausnahme stellte nur die Seuchen-Saison 09/10 dar, in der es sportlich nicht sonderlich lief und vor der viele Anhänger sich entschlossen hatten, wegen Cheftrainer Hecking sich keine Dauerkarte zuzulegen.

Mit diesem Rückblick darf die aktuelle Saison also auch hinsichtlich der Zuschauerzahlen bei Heimspielen positiv bewertet werden.

1 für 5 – Als Lokführer gratis zu 96!

Dass Wolfsburg keine Reise wert ist, ist eigentlich kein Geheimnis. Das einzige, was diese Stadt zu bieten hat, ist eine unendliche Menge an Tristesse und eine kleine Produktionsstätte für Spießigkeit auf vier Rädern.

Kaum jemand dürfte wirklich freiwillig in Wolfsburg halt machen. Gezwungen werden dazu jedoch Fans der Vereine, die gegen den ortsansässigen Werksklub antreten müssen, Schüler, die von ihren Lehrern ins Phaeno geschleppt werden – und Lokführer. Die armen Hunde müssen teilweise mehrfach am Tag für schier unendliche Minuten hier verweilen. Dass Bummelzugführer dieses harte Los ereilt, ist verständlich. Schließlich soll auch die tiefste Provinz eine Anbindung an den nächsten größeren Bahnhof haben.Warum jedoch ICE-Züge hier halt machen sollen, erschließt sich uns nicht.

Ähnlich scheinen das auch einige Lokführer von ICE in der Vergangenheit gesehen zu haben. Sie rasten einfach durch Wolfsburg durch, was als Akt der Menschlichkeit gegenüber den Personen anzusehen ist, die dort aussteigen wollten. Die Stadt Wolfsburg fand das naturgemäß nicht so lustig, der Werksverein auch nicht. Letzterer entschloss sich dazu, die Zugführer damit zu motivieren, in der Pampa zu halten, indem man für eine gewisse Anzahl von planmäßigen (!) Stopps Freikarten für ein Spiel der lustigen Magath-Truppe auslobte. Ob und wie viele Lokführer auf diese billige Anmache hereingefallen sind, wissen wir nicht. Fakt ist jedenfalls, dass auch nach Bekanntgabe der Aktion noch mindestens ein ICE durch Wolfsburg durchgerauscht ist.

Bonusheft für Lokführer

Bonusheft für Lokführer

Die Idee finden wir gut, die Umsetzung dagegen scheint aus unserer Sicht falsche Anreize zu setzen.Schließlich sollte Schaden vermieden und nicht zugefügt werden.

Deshalb hat sich Die Rote Erleuchtung dazu entschlossen, dem ICE-Lokführer, der als erstes fünf planmäßige Stopps in Wolfsburg nachweislich ignoriert, ein Spiel in einer wirklich schönen Stadt bei einem wirklich sehenswerten Verein zu sponsern – Bier und Bratwurst sind natürlich inklusive.

Einfach das obige Bonusheft ausdrucken und ausfüllen (Zeitungsartikel und Dienstnachweis zur lückenlosen Dokumentation beifügen) und schon gibt es einmal Fußballgenuss für lau. Das Spiel kann natürlich frei ausgewählt werden, sofern noch freie Kontingente verfügbar sind.

Wer bremst, verliert!