Zu wenig Hoffnung, um sie zu verbreiten?

Am Tabellenende wird bekanntermaßen geschwitzt, gekämpft, es wird gerannt und vor allem wird gerechnet. Zumindest letzteres erlebt man auch heute noch in Hannover.

Wenn wir hier gewinnen, dort einen Punkt mitnehmen und danach mit ein wenig Glück etwas gegen X holen, während vielleicht die anderen bei Y verlieren…

… nun ja, über diese Phase sollten wir eigentlich schon hinweg sein. Klar, das letzte Spiel in Dortmund war mal wieder (zumindest in Teilen) in Ordnung, das Ergebnis natürlich ausgeklammert. Etwas anderes als eine Niederlage war ja irgendwie ohnehin nicht zu erwarten.

Aber es sind eben nicht diese nur knapp verlorenen Spiele gegen die Bayern oder den BVB. Schon das Hinspiel gegen Dortmund war kämpferisch durchaus zufriedenstellend, na und?

Es sind die vielen Spiele, in denen Hannover eigentlich hätte punkten müssen, welche die vorherrschende Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit mit sich gebracht haben. Die Leistungen, die bereits seit geraumer Zeit gegen Gegner gezeigt werden, welche vermeintlich schwächer oder ungefähr gleichwertig aufgestellt sind.

Seien wir also ehrlich: Mitte Februar ist bisher zwar noch keine Mannschaft abgestiegen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es uns im Jahr 2016 erwischen wird, ist bereits ziemlich hoch. Vielleicht sind es noch keine 96 %, aber womöglich sind wir dann doch schon viel näher an diesem Wert, als man es wahrhaben möchte.

Es wurden viel zuviele schlechte Entscheidungen in einer Reihe getroffen, nicht nur, aber vor allem in sportlicher Hinsicht wurde bei den Roten unglaublich viel falsch gemacht. Das verkraftet ein Klub wie H96 nicht und man kann sich nunmal nicht in jedem Jahr auf die Hamburger oder andere Vereine verlassen, die sich noch bescheuerter anstellen, als man es selbst getan hat.

Der alte Mann scheint es, ungeachtet seiner unbestrittenen vorherigen Verdienste, nunmehr womöglich doch noch geschafft zu haben, dass wir um (s)ein Denkmal vor dem Niedersachsenstadion herumkommen.

So geht das halt manchmal, wenn man glaubt, dass das Leben für einen selbst nur eine Richtung kennt.

„Ein Abstieg wird nicht akzeptiert!“

Es ist noch gar nicht lange her, dass er sich mit diesem Satz zitieren ließ.

Mittlerweile wäre es eine persönliche Katastrophe“ für ihn, wenn 96 in die 2.Liga absteigen müsste.

Tja. Das glaube ich ihm sogar. Aber ich glaube auch zu erahnen, was er damit schon wieder so meinen könnte …

… und das wäre dann recht weit enfernt von dem Empfinden der Fans, die ihm ohnehin noch nie wirklich wichtig waren, geschweige denn von den Gedanken der Mitarbeiter(-innen) im Fanshop oder in der Geschäftsstelle, welche im Falle eines Abstiegs etwas existenzieller sein dürften.

Nun hat er bereits angekündigt, in jedem Fall weiter machen zu wollen und sich somit auch im Falle eines Abstiegs verantwortlich zu fühlen.

Tja. Dann würde er sich exakt an dieser Stelle auch an seinen Worten messen lassen dürfen, denn was es ihn oder die Gesellschafterriege kostet, wenn es runtergehen sollte, wäre uns (gelinde gesagt) volkommen scheissegal.

Aber vielleicht gewinnen wir ja auch gegen Augsburg und wenn Bremen in Ingolstadt verliert, wir dann in Stuttgart punkten, während Hoffenheim im Westfalenstadion …

… tja, so ist das: Die Hoffnung stirbt bei aller Nachdenklichkeit dann doch erst so ganz zuletzt.

Also, auf gehts 96 … Augsburg kommt in unser Stadion. Ein direkter Konkurrent.

Kämpfen und siegen!

Ein langer, harter Weg

Gestern ging die Rückrunde der Saison 2015/16 also auch für Hannover 96 wieder los. Darmstadt 98 hieß der Gegner, Thomas Schaaf unser neuer Trainer. Die Hoffnung auf etwas Zählbares bestand also, denn der Gegner schien schlagbar und der neue Trainer gilt nicht gerade als inkompetent.

So sah die Mannschaftsaufstellung auch im Vergleich zum Vorgänger deutlich vielversprechender aus: In der Abwehr durfte Sorg den in der Vergangenheit häufig schwächelnden Albornoz ersetzen, das Mittelfeld spielte als die von Schaaf so sehr geliebte Raute, der Sturm bestand aus zwei (!) Stürmern, die dazu beide nicht zu der Truppe gehörten, die uns im letzten Jahr in den Tabellenkeller gebracht hatte. Sorgen im Vorfeld bereitete einzig, dass Schmiedefix den Spielmacher geben sollte.

Der Kick ging gut los, die Roten machten Druck, kamen früh zu Möglichkeiten und konnten schon nach zehn Minuten die Führung markieren: Sakai flankte von rechts auf Szalai, dessen Schussversuch völlig missglückte und so zu einer Vorlage für Hugo Almeida geriet, die dieser ins Darmstädter Tor hämmerte. Bäääm! – hinein ins rote Vergnügen. Auch in den folgenden 15 bis 20 Minuten sah es ordentlich aus, was 96 auf dem Platz veranstaltete: Offensivspiel, Druck, Kombinationen und Torchancen (Szalai bekam nach Almeida-Flanke leider keinen Druck auf den Kopfball) statt das Frontzeck’sche knappe-Führung-Sichern.

Alles wird gut, wir retten uns da unten raus, dürften zu diesem Zeitpunkt die meisten schwarz-weiß-grünen Roten gedacht haben.

Doch dann der Wendepunkt: Einer der schlimmsten Kotzbrocken der Liga mit dem schönen Namen Sandro drückte im Luftduell Sané (man möge mich korrigieren, falls es wer anders war) den Ellenbogen liebevoll in die Fresse und bekommt von FIFA-Schiri-und-keiner-weiß-warum Aytekin nur die gelbe Karte gezeigt. Darmstadt spielte sowieso die komplette Zeit über äußerst dreckig, durfte sich durch die zu leichte Bestrafung aber vom Unparteiischen darin noch gestärkt gefühlt haben.

Da das Schicksal nun mal ein kleines, runzeliges Arschloch ist, war es dann natürlich auch Wagner, der nach Vorarbeit von Rosenthal kurz darauf den Ausgleich markieren konnte. Sorg ging auf seiner Seite nicht vernünftig in den Zweikampf und Marcelo… war halt Marcelo. Spätestens dieses Tor zeigte, wie dringen auch in der Verteidigung noch einmal der Transfermarkt durchforstet werden muss! Dass Schulz die fünfte gelbe Karte sah und gegen Leverkusen Felipe droht, lässt die Sorgenfalten auch nicht geringer werden. Wobei: Vielleicht wird auch der von Frontzeck ausgemusterte und von Schaaf wieder entdeckte Hoffmann aus dem Mittelfeld zurückbeordert.

Wie dem auch sei: Spielstand nun 1:1. Das erfreuliche: 96 igelte sich nicht wieder wie unter dem „insgesamt erfolgreichen“ Trainer Frontzeck (Zitat Kind im Interview bei The Walking Red) ein und versuchte weiter ein eigenes Spiel aufzuziehen. Dennoch machte sich erste Verunsicherung bemerkbar, z. B. auch bei Zieler, der kurz vor Schluss einen Ball mittig wegfaustete, statt ihn zu fangen oder wenigstens zur Seite zu klären. Natürlich landete der Ball auf dem Fuß eines Darmstädters (Niemeyer), doch dieser traf aus der Distanz nur den Pfosten.

Nach dem Pausentee änderte sich das Bild. Der Frontzeck im Kopf war zurück und nichts, das vorher noch so gut aussah, funktionierte noch. Und bereits wenige Augenblicke nach Wiederanpfiff konnte der ätzende Wagner seinen zweiten Treffer und damit auch den Endstand markieren. Spätestens jetzt verfiel die Mannschaft wieder in alte Muster: Querpässe, Rückpässe, fehlende Bewegung, mangelndes Selbstvertrauen, sodass bei den beiden bemühten Stürmern nicht mehr viel ankam. Almeida kam noch zu einer nennenswerten Chance zum Ausgleich, legte den Ball aber lieber noch einmal quer auf Prib (?), der die Möglichkeit vergab.

Nach 90 Minuten muss man festhalten: Auf dem Feld hat sich schon einiges verändert. Fußball zu spielen scheint wieder erlaubt zu sein, Offensive ist kein Tabu mehr. Die Blockade in den Köpfen bleibt aber riesig. Der Schaden, der von seinem Vorgänger angerichtet wurde, wird für Schaaf nur sehr schwer zu beseitigen sein, die Hoffnung fängt an zu sterben. Zeit für eine Gehirnwäsche bei den Spielern. Und für mehr neue Spieler, die im Zweifelsfall auch die Bereitschaft besitzen müssen, in der nächsten Saison einen Neuanfang in Liga zwo zu starten.

Schaaf soll’s richten

Okay, ich gebe zu: Das Titelbild ist ernsthaft stumpf, aber ich konnte einfach nicht anders.

Thomas Schaaf wird die Roten ab der Rückrunde also führen und das Ziel „Klassenerhalt“ in Angriff nehmen. Ob es eine gute Wahl war, werden wir erst nach dem letzten Spieltag (okay: voraussichtlich nach dem vorletzten Spieltag; in München wird es eh nur noch darum gehen, den Bayern die Party nicht zu vermiesen…) wissen. Für den Moment bin ich aber zufrieden.

Es gibt dieses Mal kein Experiment à la Korkut und auch keine Wahnsinns-Idee, wie Frontzeck es war. Ein ausgewiesener Fußball-Experte ist es geworden. Auch in Hinblick auf die anstehenden Transfers ist das sicherlich nicht unwichtig, denn der Name Schaaf könnte (!) auf Spieler attraktiver wirken als der Name Kauczinski, der ja angeblich auch im Gespräch gewesen sein soll.

Ab dem 4. Januar wird Schaaf dann das Training leiten. Man darf gespannt sein, welche Neuzugänge er bis dahin zusammen mit Martin Bader an Land gezogen hat.

Viel Erfolg, Thomas Schaaf!