Club Brügge auswärts

Donnerstag früh startete unsere Tour in Hemmingen. Als Dieter und ich dort eintreffen, warten bereits die beiden Autos voller Vorfreude auf unsere wunderschönen Hintern, damit wir diese in Reiseauto 1 platzieren können. Unsere Ausrüstung für die Fahrt ist für 4 Männer natürlich übersichtlich. Ich hatte noch einige Sandwiches vorbereitet damit die Herren nicht mit knurrenden Mägen in Brügge ankommen. In Reiseauto 2 werden noch Doro und Guntram abgeholt und ich will überhaupt nicht wissen, was dort mit an Bord genommen wird. Obst, Getränke, belegte Brote, Buletten, Würstchen, Schokolade und eine Gulaschkanone wahrscheinlich.

Die gut 500 Kilometer verlaufen ohne Zwischenfälle und wir verfahren uns nur einmal auf Höhe Eindhoven. Was ich aber nicht verrate, da Bernd es nicht möchte, darüber zu sprechen.

Mit extrem guter Laune kommen Bernd, Dieter, Andreas und ich in Brügge an. Zielsicher führt uns das Navi zu unserem Hotel. Das Crowne Plaza liegt in der Innenstadt und bis zum Treffpunkt der Anhängerschaft von Hannover 96, dem „Grote Markt“, ist es zu Fuß nicht mal 2 Minuten, eher 96 Sekunden. Nachdem Fahrzeug 2 mit Michael, Doro, Guntram und Pit eintrifft, checken wir schnell ein und entern die Bar. Das frisch gezapfte Pils schmeckt lecker und die Vorfreute steigt. Wir trinken noch eins und noch eins. Schließlich sind wir Fußballfans und müssen bestimmte Klischees erfüllen. Nutzt ja nun mal nichts.

Dann machen wir uns auf zum Grote Markt. Die Innenstadt von Brügge ist wunderschön. Ein ähnliches Gefühl wie in Sevilla macht sich breit. Hunderte Fans unseres geliebten Vereins stimmen sich bereits aufs Spiel ein. Wir begrüßen einige bekannte Gesichter und suchen einen Italiener am Platz auf, denn die Gruppe will noch was essen vor dem Spiel. Ich bin allerdings viel zu nervös. Zum einen natürlich wegen des anstehenden Spiels und zum anderen weil ich ganz gerne in Kürze zügig zum Stadion gehen will. Die Spielstätte vom Club Brügge soll zu Fuß in 20 Minuten zu erreichen sein. Sollte also alles passen und es gibt keinen Grund nervös zu sein. Ich bin es trotzdem Fürsorglich versorgen mich Dieter und Bernd noch mit einer Ecke von Ihrer Pizza. Beim Bezahlen fragen wir den belgischen Mitarbeiter des Restaurants noch, wie das Spiel wohl seiner Meinung nach ausgehen wird. Überraschender Weise ist er sehr siegessicher. Es wäre unglaublich schwer in Brügge etwas zu holen. Das wird wohl nichts für Hannover. Mit einem Lächeln verabschieden wir uns und ziehen los.

Der 96-Mob ist bereits weg. Wir schlagen die Richtung ein in der noch viele andere Sechsundneunziger unterwegs sind. Am Busbahnhof beschließen wir auf den Fußmarsch zu verzichten und drücken uns in einen überfüllten Bus. Leider sind einige Volltrottel da drin, die den Oskar für absolutes Arschlochverhalten sicher haben. Es wird gegen die Scheiben getrommelt und ekeliges Zeug gegrölt. Die Busfahrerin ist kurz vorm kollabieren. Sie trommelt auf ihr Lenkrad ein und sagt uns sie hasst ihren Job. Erst der schlimme Tag als Birmingham in der Stadt war und jetzt schon wieder so ein Mist. Sie wird hysterisch und mit größter Mühe kann Bernd sie beruhigen und wir fahren los.

Fahren ist dann doch übertrieben. Es geht nicht viel. Zuviel Verkehr und die Zeit verrinnt, während hinten die Vollidioten gegen die Scheiben trommeln bis Bernd der Kragen platzt. Wir stehen direkt vorne bei der Busfahrerin und er schreit nach hinten, das die Idioten mit dem Mist aufhören sollen. Er benutzt dabei tatsächlich das Wort „Idioten“. Die volltrunkenen Kerle, die sich ein Gehirn teilen sind sichtlich beindruckt und halten erst mal die Klappe und stellen das Zerstören des Buses ein. Unser Silberrücken bekommt nur ein vorsichtiges „Ich bin stolz ein Idiot zu sein“ zurück, aber es bleibt dann friedlich. Gut gemacht.

Es geht allerdings nicht voran und wir steigen aus um schnellen Schrittes zum Ziel zu gelangen. Es zieht sich ewig und die Polizei schickt uns in einem großen Bogen zum Gästeblock. Endlich ist das Stadion erreicht. Vorher sehr viel Polizei und einige Anhänger von Brügge. Mit einigen unterhalten wir uns sehr nett und angeregt. Die Polizei ist sehr entspannt und freundlich. Nachdem unsere Karte gefühlte 96mal kontrolliert wird, kommen wir endlich in unseren Block. Der ist schon gut gefühlt. Noch 30 Minuten bis zum Anpfiff. Die Spannung steigt.

Der Rasen ist in einem grausamen Zustand. Ein richtiger Acker. Unser Gästeblock ist als einziger Teil des Stadions nicht überdacht. Das ist aber kein Problem, schließlich regnet es nicht. Das Jan-Breydel-Stadion erinnert ein wenig an die Bielefelder Alm. Es passen knapp 30.000 Menschen rein, ausverkauft ist die Hütte aber nicht.

Bei uns wird sich aufs Spiel eingesungen und dann geht es los. Der Ball hoppelt extrem auf diesem „Spielfeld“. Brügge ist taktische hervorragend auf unsere Mannschaft eingestellt. Wir verlieren sehr viele Zweikämpfe im Mittelfeld und die Heimmannschaft versucht über die Außen zu Chancen zu kommen. Pander macht einen ziemlichen wackeligen Eindruck, kann sich aber immer auf Zieler verlassen, wenn er Flanken über seine Seite zulässt. Unsere Jungs versuchen dagegen zu halten und unser großartiger Sturm schafft nach gut 20 Minuten das 1:0 in Person von Diouf. Der Wahnsinn bricht im Gästeblock aus. „Erste Runde…“.

Ein Spiel mit hoher Intensität wird von uns bestimmt. Zieler ist unglaublich gut drauf und entschärft einige Bälle. Anfangs der zweiten Hälfte drückt Brügge erwartungsgemäß. Es gibt einige brenzlige Situationen, die wir alle überstehen. Dadurch, dass die Belgier ein Tor machen müssen, bieten sich uns viele Freiräume. Es ist zum bekloppt werden, dass nicht eine offensive Aktion die letzten Minuten konsequent ausgespielt wird. Ich hasse Zeitschinderei. Das sollen sich die Jungs bitte bitte verkneifen. Dann lieber eine der vielen Chancen ummünzen, damit Ruhe ist. OK, das ist meckern auf hohem Niveau. Das Spiel wird abgepfiffen und wieder bricht im Block der Wahnsinn aus. Wir sind weiter!

Die Blocksperre ist extrem lustig. Auf der Haupttribüne gibt es noch einen Block mit Fans aus Hannover. Wechselgesang im leeren Stadion ist vorprogrammiert. Auf der Gegengrade haben es auch ungefähr zwölf 96-Fans geschafft sich dort Karten zu besorgen. Also wird auch die „Ost-Tribüne“ mit dem Hannover-Hannover Wechselgesang abgefeiert. Ein großes Fest!

Der Rückweg aus dem Stadion ist dann einfach nur trist und langwierig. Keine Busse, alle Tankstellen und Kioske haben geschlossen. Somit ist der einstündige Fußmarsch in die Innenstadt einfach nur nervig. Aber was willste machen!? Im Hotel angekommen machen wir uns kurz frisch und entern die Bar. Erst mal runterkommen, das Spiel analysieren und was trinken. Das klappt sehr gut bis wir um 23:30 Uhr die letzte Runde bestellen dürfen. Das stellt sich aber nicht als Problem dar, weil ein Irish Pub fast direkt neben dem Hotel ist. Die letzte Bestellung darf der harte Kern dort ca. 3 Stunden später abgeben. Und das ist auch gut so. Mit ordentlicher Schlagseite sacke ich ins Bettchen und schlafe 0,96 Sekunden später tief und fest.

Das Aufstehen fällt mir ziemlich schwer. Aber wir wollen uns ja noch die unglaubliche schöne Innenstadt angucken. Das Frühstück weckt die nötigen Lebensgeister und wir machen uns auf in die City. Eine Bootsfahrt durch das „Venedig des Nordens“ erscheint uns erst mal als die richtige Wahl. Treffer! Ich kann jedem nur empfehlen sich diese Stadt mal anzuschauen. Natürlich steht diese Fahrt auch immer im Zeichen von 96. Immer mal wieder Wechselgesänge mit irgendwo herumspazierenden Fans aus Hannover. Auf die Bitte sitzen zu bleiben, als es unter eine niedrige Brücke durchgeht, antwortet der Mob „steht auf, wenn ihre Rote seid“. Der Bootsführer lässt es sich auch nicht nehmen einzusteigen. „Die Gebäude auf der rechten Seite wurden 1896 erbaut“. Jawoll, guter Mann!

Dass Bernd nach der Fahrt aussteigt und sein Bettchen im Hotel aufsuchen muss, weil er wahnsinnig verkatert ist, darf ich leider nicht erwähnen. Deshalb darüber kein Wort. Sicherlich war der Whiskey im Pub nicht die beste Idee. Aber der war lecker. Flüssige Sonnenstrahlen und durch die Nase ausatmen. Euuuuropapokal….Vierschanzentorneeeeeee!

In einem urgemütlichen Brauhaus finden wir uns gegen Mittag ein und trinken Bier namens „Straffe Hendrik“ mit 9 Umdrehungen. Unglaublich süffig und lecker. 3 (oder waren es 4) von den Kameraden ist allerdings am frühen Nachmittag eine Ansage. Einige ziehen durch, einige machen eine kleine Siesta im Hotel.

Im Irish Pub fühlen wir uns wohl, also geht es dort hin. Auf ihrer Solo-Sightseeing-Tour entdeckt Doro Christoph Daum in einem Restaurant neben unserem Pub. Bernd macht sich sofort mit ihr auf zum Interview. Daum ist auch äußerst gesprächig und lobt Hannover in den höchsten Tönen. Gut, was bleibt ihm anderes übrig.

Wir lassen es ordentlich im Pub ausklinken. Unsere lautstarken Gesänge werden nicht mal bemerkt. Irish Pub eben. Eine super tolle Fahrt neigt sich dem Ende. Am nächsten Morgen verlassen wir Brügge. Was man zurzeit mit unsere Mannschaft erlebt ist unglaublich. Deshalb: Danke Jungs!

UEFA EUROPA LEAGUE 2011-2012 Club Brügge

In der Überschrift steht es ja. Unsere geliebte Mannschaft hat die Qualifikation gegen Sevilla atemberaubend gemeistert. Die Gruppenphase überstanden und dabei tolle Spiele abgeliefert. Und nun stand also die Zwischenrunde gegen Brügge an. Zuerst im Niedersachsenstadion.

Aber das Publikum in Hannover kann einen immer noch überraschen. Die Hütte war nicht ausverkauft! Über das warum und wieso lässt sich nur spekulieren. Falsche Jahreszeit und somit zu kalt? Unattraktiver Gegner? 21:05 Uhr Anstoß unter der Woche? Gut, vielleicht hatte auch einfach keiner Lust im Süden unter den Fans aus Belgien zu sitzen, wo die freien Sitzschalen zu sehen waren.

Dieter

Dieter zittert auf dem Weg Richtung Stadion, weil vor Ausschreitungen gewanrt wurde.

Zudem musste man ja angesichts der lokalen Presseberichterstattung im Vorfeld damit rechnen, der Weg ins Stadion wird ein Spießrutenlaufen durch prügelnde Hooligans. Weil ja die deutschen und die belgischen Fans verfeindet sein sollen. Und dann muss man ja auch in der Zeitung lesen, dass Hannover 96 ein Gewaltproblem hätte.

Das alles anders kam und die Fans aus Brügge friedlich in Hannover feierten und die Atmosphäre eines europäischen Auswärtsspiels genossen, gab die passende Antwort. Die Wasserwerfer blieben also ungenutzt.

 

Der Unterrang der Nordkurve sorgte mit einer schicken Choreographie dafür, dass alle im Stadion in die Atmosphäre eines EL-Spieles eintauchen konnten.

Und die Götter in Rot legten auch gleich richtig gut los. Schlaudraff hinter Moa und Diouf sollte für den nötigen offensiven Druck sorgen. Pogatetz zurück in der Innenverteidigung neben Eggimann, der Slomka in den Spielen davor keinen Anlass gab, Haggui nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup sofort einzusetzen.

 

In der ersten Hälfte läuft die Pille gut durch unsere Reihen. Allerdings wird keine der guten Chancen abgeschlossen. Kurz vor dem Pausenpfiff scheitert der für den angeschlagenen Moa eingewechselte Rausch am Ersatzkeeper von Brügge. Deren Nummer 1 von Daum nicht für die EL nominiert wurde.

In der zweiten Hälfte machten wir auch weiter Druck. Leider konnte Brügge einen Konter sauber abschließen. Zuviel Platz auf unserer rechten Abwehrseite und eine gute Flanke sorgten für den Gegentreffer per Kopf, der unhaltbar einschlug. Unsere Mannschaft ließ sich aber nicht hängen oder wirkte verunsichert. Es wurde gekämpft und auf den Ausgleich gedrückt. Auch wenn das Schiedsrichtergespann unglaublich schlecht aufgestellt war. Der Linienrichter auf der Osttribünenseite war ganz sicher besoffen. Es wurde uns ein reguläres Tor aberkannt, ein Elfmeter nicht gegeben, auch sonst war die Leistung der Unparteiischen eine einzige Katastrophe.

Aber unsere tolle Truppe lässt sich aktuell von solchen Dingen nicht von ihrem Weg abbringen. Artur Sobiech sorgt für den umjubelten Ausgleich und holt sogar den Elfmeter für den 2:1 Sieg heraus. Den Schlaudraff mit einem Heber verwandelt. Der Sieg hätte noch deutlicher ausfallen können, aber Großchancen werden nicht genutzt.

Beim Rückspiel in Brügge ist nun alles möglich. Ich traue der Mannschaft alles zu. Momentan macht es einfach nur riesigen Spaß, dieser Truppe auf dem Rasen zuzusehen. Danke Jungs!