Die wilden Fohlen und der Hühnerhaufen… Ein Trauerspiel in zwei Halbzeiten.

Das Niedersachsenstadion beim Spiel gegen Gladbach… Rappelvoll aber die Fans waren still – im Gegensatz zum Anhang des Gegners.

Okay. Damit der Verriss nicht zu schnell langweilt, erst mal das Positive vom Tage: Das Wetter war großartig. Die Wurst hat geschmeckt. Das Spiel unserer Roten war begeisternd! Ansehnlicher Fußball, tolle Kombinationen und überlegene Spielführung und das über 90 Minuten. Die Stimmung im restlos ausverkauften Stadion war fantastisch. Beide Fanlager sangen frenetisch. Außerdem gab es drei sehr schön herausgespielte Tore.

Das Negative vom Tage: Leider war das nicht das Spiel für das ich den Spielbericht verfassen sollte.

Hier wiederum war großartige Stimmung: Tribüne der Amas im Beekestadion

DAS eben beschriebene war nämlich das großartige 3:0 der Hannover 96 Amateure über den SV Meppen. Ein perfekter Fußballtag hätte es damit werden können, wenn nicht noch das gadacht eigentliche Highlight des Tages anstehen sollte: Das Spiel der Bundesligamannschaft gegen Gladbach. Die passende Terminierung der Amas um 13:00 und der Profis um 15:30 machte es möglich, beide Spiele zu sehen, was Brüderchen und ich auch nutzten. Matthias und ich sind also gleich nach Abpfiff vom einen Spiel zum Anderen gefahren, da die Dreiviertelstunde vom Spielschluss im Beekestadion bis zum Spielbeginn im Niedersachsenstadion locker ausreichen sollte.

Was wir dann zu sehen bekamen, hatten wir so nicht erwartet. Eigentlich ein recht gefälliger Beginn, 96 spielte engagiert aber glücklos in der gladbacher Hälfte. So weit ein munterer Start. Aber auch dort zeigte sich schon das, was die gesamte Partie über das dominierende Element im 96-Spiel werden sollte: Die Fehlpässe.

Solch einer leitete nämlich auch das Gegentor ein: Eine Unkonzentriertheit in der eigenen Hälfte, ein Fehlpass, Gladbach nutzt blitzschnell diese sich bietende Gelegenheit, Dominguez flankt von halb links auf Kruse, der mit einem Kopfball einnetzt. Tor! 0:1. Normal ist das kein Beinbruch, aber da schwante mir sofort, dass dieser Spielbericht kein schöner wird. Von da an nämlich fand ein geordnetes Spiel unserer 96-Mannschaft nicht mehr statt. Borussia Mönchengladbach zog sich weitgehend zurück und lies fortan nur noch wenig zu. Die meiste Gefahr kam durch Standards oder Einzelaktionen, welche aber durch die taktisch exzellent agierenden Gladbacher stets rechtzeitig vereitelt wurden. Dies wiederum führte zu mehr und mehr Verunsicherung und im Grunde war das Spiel ab da schon gelaufen.

Man kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Pomadig, langsam und statt nach vorne wurde lieber zu Zieler oder zur Seite gespielt. Und absurde Fehlpässe gab es, die man das letzte mal in der A-Jugend machte. Die gesamte Mannschaft glich zeitweise einem Hühnerhaufen, während die Gladbacher Fohlen das gnadenlos ausnutzten. Dazu kam kurz nach der Pause natürlich noch ein Freistoß, den Xhaka in der 49. Minute staubtrocken einnetzte und das letzte mögliche Aufbäumen der Roten im Ansatz unterband. 0:2

Das 0:3, in dem Zieler aus dem Tor gelockt wurde, und Kruse nur noch den Ball ins Tor lupfen musste war das Sahnehäubchen auf ein durch und durch verkacktes Spiel.

Man kann gegen Gladbach verlieren, und ja es fehlen viele Stammkräfte. Es kann aber nicht sein, dass als einziger Lichtblick Briand sich aufopferte und mit seinem Kampf wenigstens etwas den Gladbachern entgegensetzte und dadurch fast das 1:2 auf dem Fuß hatte. Er war der Einzige, der in der Gladbacher Abwehr sowas wie Druck erzeugte, da er jedem Ball hinterhersprintete. Der Rest war fast vollständig untergetaucht und hat sich dem Schicksal ergeben.

Für mich ganz klar das bisher schlechteste Spiel der Saison. Wenn ich dann noch den Kommentar in der Neuen Presse lese, in dem Jonas Freier dem Urteil von Günther Netzer widersprach, dass 96 derzeit nur Mittelmaß sei, und der Redakteur allen ernstes mit der ersten Niederlage der Gladbacher rechnete mit dem Schlusssatz „Das wird dem Netzer nicht schmecken.“, dann kann man echt nur mit dem Kopfschütteln und dem Schreiber empfehlen in Zukunft auf echte Fußballexperten zu hören.

Die Stimmung war ein weiterer Tiefpunkt. Konnten die Heimsiege bisher die grausame Stimmung im Rund etwas kaschieren, so traf diesmal entgültig eine gnadenlos laute Gästekurve auf ein stummes Stadion. Das tut mir in der Seele weh, dass hier irgendwelche Kackvereine uns ohne Gegenwehr niedersingen können und ich sogar mitten im Spiel den Generator hinter der Nordkurve brummen höre. Was für ein Scheiß! Das macht so absolut keinen Spaß mehr!