Alles wird gut

Es wird höchste Zeit, dem madigen Gepöbel der hiesigen Presse mal die positiven Dinge entgegenzuhalten, die unser Lieblingsverein derzeit zu bieten hat und bei selbst nur kurzem Nachdenken und durchschnittlicher Intelligenz lassen sich da eine ganze Reihe finden.

Nehmen wir das gestrige Spiel gegen Stuttgart. Bereits Wochen vor dem vielversprechenden Ereignis ging das Ticketing in stimmungsfördernde Vorleistung und bot Karten mit einer Ermäßigung von 30% an, wer seine Karten vorher kaufte und freundlich um nachträgliche Gutschrift bat, bekam zudem volle zwei Seiten Erklärungen und Ausflüchte, warum das völlig unmöglich sei, gratis dazu.

Nun konnte man ja befürchten, dass einer nur zu 70% bezahlten Karte eine auch nur 70%ige Leistung auf dem Platz folgen würde, nach 90+3 Minuten erwies sich dieser Argwohn allerdings als gänzlich unbegründet, die Mannschaft pfiff auf derlei Relationen und gab wie gewohnt volle 100% Prozent ihrer Möglichkeiten zum Besten, Mevlüt Erdinc verpasste mit 2 Torschüssen und 1 Abseitsposition den tags zuvor aufgestellten Rekord von Robert Lewandowski für die beste Performance eines eingewechselten Stürmers (5 Tore in 8 Minuten) sogar nur um Haaresbreite.

Apropos Pfeifen: Das kaufmännisch gerundet ausverkaufte Haus verhielt sich gestern auffällig zurückhaltend mit seiner sonst auch gerne einmal in Sturzkampfbomberlautstärke offen zu Gehör gebrachten Kritik, einerseits natürlich dem nicht zu beanstandenden Auftritt der Spieler auf dem Platz geschuldet, eventuell auch auf die nachhaltige Sedierung der Öffentlichkeit durch den Cheftrainer zurückzuführen, andererseits mit Sicherheit aufgrund der Tatsache, dass ein altruistisches Anthroposophenblatt per Buchung der linken Außenseite der Spielerleibchen zum Welttag des sich Liebhabens aufgerufen hatte. Möglicherweise hat auch der im Fernsehen beworbene Nulltarif auf Hörgerate eines mittelständigen Herstellers der Region eine Rolle gespielt, das ist aber genauso ins Reich der Spekulation zu verweisen wie die Unterstellung, die Buchung des linken Oberarmes hätte 96 den Flügel auf dieser Seite lahm gemacht. Den einfachen Gegenbeweis lieferte Michael Frontzeck mit der Auswechslung auf dieser Position zur Halbzeit, nach der sich es sich keinen Deut verschlechterte.

Ich fasse noch einmal zusammen: Auf und neben dem Platz ist alles in bester Ordnung, die Roten sind aber auch bei hochklassigen Darbietungen wie gegen Stuttgart natürlich nicht gegen übermächtige Gegner gefeit, deren Passgenauigkeit stimmt und die hinten unüberwindbaren Beton anrühren.

Beton allerdings ist ganz genau das, auf dem 96 aufbauen kann. Die Mannschaft hat nachhaltig bewiesen, dass sie leistungsmäßig eine solide Bodenplatte zu legen in der Lage ist, und, da sich das Unterkellern dieses Fundaments schwierig bis unmöglich gestaltet, dass darauf aufgebaut werden kann. Ein paar Mauern drauf, Türen und Fenster rein, Dach drüber, Heizung einbauen, Leitungen legen, bisschen Teppich, Gardinen, Leuchten, Tapeten, Armaturen, Zierleisten, Bilder, Möbel…

…und schwuppdiwupp verdoppeln sich die Punkte bis zur Winterpause schneller, als ich Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch aussprechen kann!

Kurzum: Wir brauchen uns keine Sorgen machen, alles wird gut.