Mer losse d’r Dom in Kölle, doch de Punkte nehm mer mit!

Was für eine Auswärtstour! Drei Punkte, stinkwütende Kölner Heimfans und ein lautstarker, bunter Auswärtsmob. Aber von Anfang an:

Morgens ging es mit meinem Bruder zusammen gen Rheinland. Auf dem Weg hatte ich einfach ein gutes Gefühl und das reizte zum Risiko: Meine Wenigkeit haute mal richtig einen raus und lies sich sogar auf eine Bierkistenwette mit Björn im sozialen Netzwerk ein, da ich mir irgendwie sicher war, dass nichts schiefgehen kann und unsere Jungs den Dreier holen und mir damit die Kiste sicherten. Erst mal mit Matthi in NRW ein paar Flohmärkte abgeklappert, kamen wir dann kurz vor dem Spiel in der Domstadt relativ staufrei an. Und dann standen wir in einen prall gefüllten Stehblock:

Es ist schon eine ziemliche Weltidee der Kölner, den Gästeblock im unteren Bereich mit einer großen Plattform zu gestalten. So war gesichert, dass man statt Strafraumszenen stattliche Schultern zu sehen bekam.

Das spiegelt nicht die ganze Wahrheit wider. Die Kamera halte ich da hoch.

Nach oben durchkämpfen konnten wir uns nicht, da der Block voll war. So haben wir die Torraumszenen nicht gut erkennen können, erahnten diese aber an den Reaktionen der Kölner Fans. Am meisten bekamen wir das Mittelfeldgeplänkel mit. Und: Wir setzten um uns herum das Durchschnittsalter bedenklich hoch.

Und auch wenn man vom Spiel nicht viele Details sehen konnte, merkte man schnell, dass Köln doch sehr stark auf die Offensive setzte und bei uns solide frontzeksche Mauerarbeit das Werk doch effektiv verrichtete. Es ähnelte den somit den ersten Spielen. Mit einem Unterschied: Der typische Abwehrpatzer blieb aus. Und Zieler schienen, noch stärker als gegen die Fischköppe, zwei weitere Arme zu wachsen. Er bachte über die gesamte Spielzeit mit mehreren Glanzparaden die Stürmer und die Heimfans zur Verzweiflung.

Die Szene des Spieltages entstand in der 38. Minute: Kyotake brachte einen Eckball auf Schulz, welcher in Richtung Fünfmeterraum verlängerte; der Torwart fälschte vor dem einrutschenden Andreasen ab und dieser schob verdutzt den Ball mit dem Arm ins Tor ein und wurde für ein Wochenende zur Persona non Grata, da das Tor vom Schiri gegeben wurde.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich war der Treffer irregulär und der Sieg dadurch absolut glücklich. Ich kann den Ärger darüber nachvollziehen. Aber so etwas kommt eben vor. Die Folgen waren dann aber eine ziemliche Hysterie: Was hat sich die Presse moralinsauer über den „Handskandal“ echauffiert und insbesondere der Kölner Express machte dabei ein Fass auf. Ausgerechnet Diejenigen, die noch Wochen vorher bei einem zu unrecht gegebenen und krass geschundenen Elfmeter beim HSV titelten: „hier stolpert Anthony Modeste den 1.FC Köln ins Glück“. Doppelmoral pur. Aber auch andere Medien verurteilten Andreasen, da er den Schiedsrichter nicht von auf dessen Fehlentscheidung hinwies, und brachten, wie der Kicker, als Beispiel Marius Ebbers, welcher 2011 in der Partie gegen Union Berlin dem Schiedsrichter gegenüber ein Handtor zugab. Was aber hier vergessen wird: Ebbers tat es auf Nachfrage des Schiedsrichters. Und ich bin mir sicher, dass Andreasen dann das Handspiel zugegeben hätte, wenn der Schiedsrichter ihn denn gefragt hätte. Wäre es auf Nachfrage abgestritten worden, könnte ich die Aufregung verstehen, aber so ist es nicht nachvollziehbar.

Es kann passieren, dass das Schiedsrichtergespann das Zustandekommen des Treffers nicht mitbekommt. Dann sollten sie aber beim Spieler nachfragen. Es ist nicht die Pflicht des Spielers, den Schiedsrichter darauf hinzuweisen wenn dieser seine Entscheidung klar trifft. Insbesondere in unserer Situation ist es absolut nachvollziehbar, dass Andreasen sich nicht für den Fairplaypreis anmeldete. Wenn man das Schnauzehalten verurteilt, dann sollte man auch jeden Elfmeterschinder anprangern. Folgerichtig wurden heute die Ermittlungen des DFB gegen Andreasen eingestellt.

Ausgelassenes Feiern im Gästefanblock.

Wie dem auch sei: Mit dem Tor im Rücken war es für uns eine Freude zu sehen, wie sich die Kölner Minute um Minute mehr über den Schiedsrichter, die Ungerechtigkeit der Welt und einem gnadenlosen Zieler aufregten, der in seiner Geburtstadt nicht nur jeden Schuss mit Glanz parierte (Kickernote glatt 1), sondern auch noch die Heimfans mit seinem legalen aber fiesen Zeitspiel zur Weißglut brachte. Wir haben lautstark gefeiert und sehnten uns den Abfiff herbei. Beim Selbigen lagen sich alle in den Armen – Endlich erst mal von den Abstiegsrängen weg!

Die Lage ist zwar noch immer ernst, aber man kann endlich mal durchschnaufen. Man wird sehen, wie sich das weiter entwickelt. Auf jeden Fall wird die gewonnene Kiste Bier schmecken.

Körperverletzung

Mittwoch. 19.50 Uhr. Durch die Vater-Pflichten lange ans Zuhause gebunden erreiche ich das Stadiongelände. Laute Dorf-Disco-Bumm-Bumm-Musik schallt mir entgegen, doch die Hoffnung, sie käme vom benachbarten Oktoberfest, löst sich schnell in Luft auf. Gegen 19.55 Uhr (huch, keine Schlangen am Einlass?!) erreiche ich meinen Platz und freue mich auf eine spannende, ansehnliche Fußballpartie zwischen meinen Roten und der hässlichen Ziege aus Köln. Hässlich im Wortsinn, denn wer sich diese Auswärtstrikots für die Kölner ausgedacht hat, gehört geviertelt. 96 legt los wie die Eisenbahn. 1. Chance in der 5. Minute, ich gucke gerade nicht hin, kein Tor. Kommentar zur Sitznachbarin: „Jetzt gucke ich wieder, die dürfen jetzt also treffen.“ Wenige Sekunden später schiebt Joselu den Ball ins Tor, nachdem Briands Schuss noch abgeblockt werden konnte. Freude im weiten Rund.

Auch die nächste Viertelstunde lässt sich gut ansehen. 96 dominiert und spielt, Köln guckt blöd aus der Wäsche. Aber dann auf einmal ist Schluss mit der Herrlichkeit. Wie aus dem Nichts heraus funktioniert von jetzt auf gleich gar nichts mehr, und die nächsten 70 Minuten folgt nur noch ein müdes Ballgeschiebe der Roten. Der Effzeh versucht sein Bestes, was allerdings nicht viel ist. Spätestens die letzten Meter vorm Tor sind aus Kölner Sicht nicht bundesligareif. Dankenswerterweise gibt Utze hinter mir stimmlich Vollgas, sodass ich alle paar Minuten aus dem Fast-Schlaf gerissen werde, was zur Folge hat, dass ich dieses gruselige Gekicke auf dem Platz die volle Zeit (+ 5 Minuten Nachspielzeit) ertragen muss. Insbesondere unser Mittelfeld (ohne Ausnahme) nervt. Kiyotake gelingt gar nichts, Andreas und Gülselam spielen aus, wer die höhere Fehlpassquote bei offensiven Pässen schafft und Bittencourt ist endlich wieder Bittencourt und stirbt in Schönheit. Tat ernsthaft weh sich das anzugucken.

Stimmung – an der Diskussion über sie wird man wohl diese Saison nicht vorbei kommen – gab es dieses Mal so gar keine. Das große Schweigen im Walde konnte erst unterbrochen werden, als es Kind-muss-weg-Rufe gab. Vorher wurde doch ernsthaft sogar bei einer 1:0-Führung gepfiffen, was angesichts der Lethargie auf dem Platz zu verstehen, aber aufgrund des Spielstandes irgendwie doch scheiße ist. Anständig. Oder so.

Nervige Kacke.

Ein kreativere Überschrift fällt mir auch gut 24 Stunden nach Anpfiff des gestrigen Spieles nicht ein. Eine treffendere allerdings auch nicht. 96 trat beim Effzeh an und hat sich wie auch beim letzten Spiel dort eine blutige Nase geholt.

Woran lag’s?

Richtig ist sicherlich, dass ein kompetenter Schiedsrichter uns gestern vermutlich drei Punkte mehr zugestanden hätte. Das Foul, das dem 1:0 für die Kölner vorangegangen war, pfeifen sicherlich nicht viele Kollegen des Dr. Drees. Hier kann man aber wenigstens noch sagen, dass pingelige Vertreter der Zunft da durchaus auf Freistoß entscheiden, wenn sie einen schlechten Tag haben. Dass aber der Ausgleichstreffer durch Pinto nach Rücksprache mit dem Linienrichter nicht anerkannt wurde, ist genauso wenig verständlich, wie das Übersehen des Handspiels bei einem Pander-Freistoß. Wenn mich meine Erinnerung nicht ganz im Stich lässt, wurde doch eine ähliche Szene ebenfalls geahndet, nur dass sie eben außerhalb des Strafraums war und Doc D. deshalb eben keine „mutige“ Entscheidung fällen musste. Interessant könnte es mit Hinblick auf die Saison werden, wenn man sich Fußballweisheit „Über die ganze Spielzeit gleicht sich das alles aus“ anschaut: Da müssen uns seitens des DFB mittlerweile schon einige Punkte zugeschoben werden…

Verloren wurde das Spiel aber nicht nur wegen der Pfeife mit der Pfeife. Auch die Leistung der Jungs war gestern eher nicht so dölle. Die Erkenntnis, dass wir enorm von Pintos und Schmiedebachs Form abhängig sind, ist leider nicht neu. Wenn die beiden keinen guten Tag haben, kommt vorne bei den Stürmern zu wenig an. Hier wäre eine Alternative notwendig, um den beiden auch mal eine Pause gönnen zu können. Vielleicht wird der Däne ja irgendwann einmal fit.

Gratulation schlussendlich noch an die Affen im Sitzbereich des Gästeblocks, die meinten, einen Kölner mit in den Gästebereich zu nehmen. Mal abgesehen davon, dass dieser todesmutig eine 96-Jacke über seiner Ziegenhaut trug, bis er merkte, dass ihm in dem Block keiner die Meinung sagen würde (zum Bierholen und beim Verlassen des Blocks wurde die Jacke natürlich sicherheitshalber wieder übergestreift), sollte man doch wenigstens dafür sorgen, dass der Kumpel schön die Füße stillhält, wenn er sich in den falschen Block schmuggelt. Nervbratzen. Scheiß andere Vereine.

Achso. Köln als solches ist und bleibt auch weiterhin völlig überbewertet. Speis‘ und Trank im Brauhaus Früh waren jedoch ganz gut. Und das Stadion ist zumindest nicht langweilig. Dennoch wird’s Zeit, dass die Kölner mal wieder nachschauen, was in der 2. Liga so los ist.