Moa!

Manchmal gibt es Spiele, bei denen ein Spielbericht überflüssig ist. Es gibt sogar Spiele, bei denen das Spiel als solches eigentlich nicht ausgetragen werden müsste, weil es schon im Vorfeld entschieden wird. Heute war so ein Spiel.

Kreiiiiiiiiiiiisch! Der ist sooooo süüüüüüüß! Kreiiiiiiiisch!

Vom Hunger geplagt suchte ich vorm Kick noch einmal den Pizzastand auf. Vor mir in der Schlange: Zwei Werder-Girlies, vielleicht 15 Jahre alt und mit furchtbar hässlichen Trikots bekleidet. Mein Summen einer gewissen Melodie über Fisch-Bezugsquellen ignorierten sie gekonnt oder sie wussten es schlicht und ergreifend nicht zu deuten. Da die Wartezeit bis zur Pizza irgendwie überbrückt werden musste, war ich so unhöflich und belauschte das Gespräch der beiden Damen mit den Geschmacksverwirrungen:
„Boah, ich hab voll Hunger. Ich hatte heute Mittag nur ein paar Fischstäbchen gehabt!“ Erstes Grinsen bei mir. „Eigentlich hätte ich viel lieber Aal gegessen.“ Kurzes Auflachen meinerseits. Ab diesem Moment war mir klar: Das kann heute gar nicht mehr in die Hose gehen. Gewonnen hatte ich so oder so schon.

Mit guter Laune und gefülltem Bauch konnte das Spiel beginnen. Bereits nach 2 Minuten ging die positive Tendenz des Tages weiter. Ein Foul im Strafraum entschied Schiri Winkmann auf Elfmeter, den Moa ins rechte Eck verwandelte. Knapp war es zwar, da der Bremer Torhüter (in blau-gelb gekleidet) noch fast am Ball war, aber fast ist eben nur fast und so stand es schon früh 1:0.

Chancen gab es in der Folge auf beiden Seiten. In einem sehr ansehnlichen Spiel – von Müdigkeit durch die Reise in die Ukraine war nichts zu spüren – war 96 die bessere Mannschaft und konnte in der 39. Minute erneut durch Moa auf 2:0 erhöhen.

Zwischendurch wurde in der Nordkurve das erste Mal seit verdammt leider Zeit wieder einmal während eines Spiels gezündelt. Eine Hand voll Bengalos dürfte dafür gesorgt haben, dass 96 mal wieder in die Tasche greifen muss und große Teile des offiziellen 96-Forums wahrscheinlich noch mindestens eine Woche am hyperventilieren ist.

"Come on baby, light my fire..."

Kurz vorm Halbzeitpfiff wurde Pinte auf Höhe der Mittellinie unsanft zu Boden gebracht. Die Verletzungspause ließ Schiri Winkmann natürlich nachspielen und nahezu jeder im Stadion – mit Ausnahme der 96-Spieler – wusste, was beim letzten Bremer Angriff vor der Pause passieren würde. Manche Gegentreffer sind schlicht und ergreifend vorhersehbar. Das 2:1 (Arnautovic) gehörte dazu.

Die zweite Hälfte begannen die Roten so, wie sie es am Donnerstag in Poltawa getan hatte: Nach hinten offen stehen, nach vorne unpräzise spielen und so den Gegner zu guten Chancen bringen. Mit viel Glück ging dieses Spiel auf Risiko auch dieses Mal gut und nach einer Viertelstunde konnte Moa sogar sein drittes Tor des Tages verbuchen.

Linienrichter auf Abwegen

Dass der Treffer gezählt wurde, war für viele im Stadion eine riesige Überraschung, wirkte es doch so, als hätte Moa klar und deutlich im Abseits gestanden. Der putzige Linienrichter auf der Ost-Seite des Spielfelds stand aber dicht genug am Geschehen (er lief fast das ganze Spiel über 2-3 m auf dem Spielfeld statt daneben) und erkannte, dass ein Fisch die Abseitsposition aufgehoben hatte (60.).

Torschütze Arnautovic hatte in der Folge keine Lust mehr auf Fußball und setzte seinen Gegenspielern immer öfter mit verbotenen Mitteln zu Leibe. Eine Unsportlichkeit am eigenen Strafraum ließ Winkmann noch ungeahndet, doch in der 78. Minute hatte er ein Einsehen dem Ösi. Ein Foul an Pinte hatte für Arnautovic die Aufforderung zum sofortigen Duschen zur Folge. 11 gegen 10 für 12 Minuten also.

Doch statt die Bremer Unterzahl und die eigene Führung auszunutzen, ließ 96 weitere Chancen für Werder zu. Pizarro (wer sonst?) sorgte in der 83. Minute für den 3:2-Endstand.

Zwar stehen die Bremer am Ende des Spieltags noch vor 96 in der Tabelle. Doch das Spiel hat eindeutig aufgezeigt, wer die Nummer 1 im Norden ist und dass 96 nicht aus Zufall in der letzten Saison weit, weit vor Bremen in der Tabelle stand. Zeigen die beiden Teams den Rest dieser Saison die gleichen Leistungen wie heute, so wird das auch am 5. Mai 2012 so sein.

45:45

Meine Güte. Das ist ja gerade noch einmal gut gegangen. Die Roten spielen in der tiefsten Ukraine gegen Worskla Poltawa und zeigen zum wiederholten Male in dieser Saison zwei Gesichter.

Das erste Gesicht war dieses Mal das gern gesehene: 45 Minuten lang dominierten die Roten die erste Auswärtspartie in der Gruppenphase der Europa League und ließen keine echte Chance des Gegners zu. Im Gegenteil: Die Jungs machten gut Druck und brachten Poltawa mehr als nur einmal in Verlegenheit. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit wurde dieser Einsatz auch belohnt. Erst Moa, dann Pander sorgten für einen beruhigenden 2:0-Halbzeitstand.

In der Pause wurde Jörg Schmadtke vor ein Mikrofon von Kabel 1 gezerrt und wusste dort, dass man den Druck der ersten Viertelstunde in der zweiten Halbzeit überstehen müsse, um das Spiel und die dazugehörigen drei Punkte sicher nach Hause zu bringen. Das hätte er lieber der Mannschaft als dem deutschen Fußballpublikum erzählen sollen.

Wie ausgewechselt kam der Gastgeber zurück auf’s Feld. Leider galt gleiches für 96. Von der Sicherheit der ersten Halbzeit war nichts mehr zu spüren und so gab es folgerichtig nach fünf Minuten den Anschlusstreffer durch Kurilov. Zieler, der keinen guten Tag hatte, konnte nicht mehr reagieren, da ihm die Sicht versperrt wurde. Die restlichen 40 Minuten waren geprägt durch die Angriffe der Ukrainer auf der einen und durch die Fehlpässe der Roten auf der anderen Seite. Lernen Fußballer heute nicht mehr, dass man einem Pass durchaus auch mal entgegen kommen darf?

Mit viel Ach und Krach wurde der Sieg letztlich über die Zeit gerettet und so konnte Hannover 96 den zweiten Platz in der Gruppe B verteitigen. Angeführt wird die Gruppe nach diesem Spieltag durch Standard Lüttich, das sein Heimspiel gegen Kopenhagen mit 3:0 gewann. Weiter geht es auf der internationalen Bühne am 20. Oktober, wenn um 21:05 Uhr die Dänen zu Gast in Hannover sind.

Mainz

Ich suche mir jetzt mal einen jungen Spieler aus unserem Kader, der den turbulenten Saisonauftakt komplett gespielt hat und wie das wohl sein mag. Zum Beispiel Manuel Schmiedebach.

In der ersten Runde DFB-Pokal ohne Anzeichen von Unsicherheit (im Angesicht der vergangenen unsäglichen Ausscheiden) locker flockig in Lübeck Anker Wismar eingetütet und nach Hause geschickt. In der Bundesliga das Projekt und Nürnberg geschlagen. Gänsehautatmosphäre im Hinspiel gegen Sevilla. Lange drauf gewartet, hart dafür gearbeitet, ein kochendes Stadion, ein Sieg. Emotionen pur. Gegen Herrn Hartmann einen Punkt geholt. Dann ab nach Andalusien. Volle Konzentration. Die Chance nutzen. Die Belohnung abholen. Gas geben, aber richtig. Und es schließlich schaffen.

Und dann kommt …….. Mainz.

Ganz ehrlich: Wie soll man da den Hebel umlegen? Wie soll man sich motivieren? Wie soll beispielsweise Schmiedebach nach diesen turbulenten Wochen mit diesem sagenhaften Spiel in Sevilla drei Tage danach routiniert sein Ding spielen?

Ne, Fußball ist eben auch eine mentale Sache. Unsere Mannschaft darf dann diese Erfahrungen sammeln, dass es eben nicht so einfach ist auf die Sekunde auf Fußball-Robotermodus zu schalten.

Das spiegelt sich dann auch im Spielverlauf wieder. Nach nicht mal 2 Minuten geht Mainz in Führung. Danach hätten sie sogar erhöhen müssen. Der Pfosten rettet uns zweimal.

Moa Abdellaoue (elegantester und effizientester roter Fußballer weltweit) sorgt ein wenig überraschend für das 1:1 nach einer halben Stunde. Wieder mal nach Flanke von Rausch.

In der zweiten Halbzeit sah es zwar ganz anders aus. Aber unsere geliebte Mannschaft konnte ihre Überlegenheit nicht ausnutzen und es blieb beim Unentschieden.

Die Länderspielpause kommt nicht gerade ungelegen. Zeit genug um die mentale Frische zurückzuerlangen und das Spiel als Erfahrung in diesen turbulenten letzten Tagen rund um Sevilla zu verbuchen. Die Stuttgarter tun mir jetzt schon leid.