Same procedure as every year

Sehen wir es doch einfach von der guten Seite: Die erste Runde im DFB-Pokal 2015/16 wurde überstanden.

Hurra!

Kommen wir zur Realität. Zwar hat 96 die erste Runde im DFB-Pokal 2015/16 überstanden, die Sorgenfalten in Bezug auf die anstehende Bundesliga-Saison dürften aber nicht unbedingt geringer geworden sein. Gegen den Viertligsten aus Kassel taten sich die unseren – traditionell – schwer und gingen durch Tore von Sané (16.) und Karaman (92.) als Sieger vom Platz. Dabei zeigte sich, dass die Schwächen, die von den Testspielen berichtet wurden, auch im Wettkampfmodus auftreten.

Die Situation im Tor: Zieler hatte glücklicherweise einen guten Tag. Mehrfach musste er eingreifen und zeigte dabei bei Defensiv-Aktionen keine Schwächen. Wehe aber, wenn er von seinen Vorderleuten bedient wurde und in den Spielaufbau eingreifen musste. Lang, weit, unpräzise.

Die Situation in der Abwehr: Links und rechts sieht es ernsthaft bitter aus. Während die von Schulz und Felipe gebildete Innenverteidigung eine im Wesentlichen solide Leistung bot, ließen Albornoz und Sakai mal wieder vieles vermissen. Sakai, der von den Medien (und wohl auch von Frontzeck) als Gewinner der Vorbereitung gesehen wurde, ließ einen staunend zurück. Auch wenn er weiterhin im Vorwärtsgang gute Akzente setzen konnte: Seine defensiven Qualitäten sind oftmals zu vernachlässigen, und auch technische Fehler (Ballannahme, Himmel noch eins!) unterliefen ihm öfter. Über Albornoz mag man eigentlich gar nichts mehr sagen oder schreiben.

Die Situation im Mittelfeld: Schmiedebach (später durch Andreasen abgelöst) und Sané bildeten die Doppel-Sechs. Dass die HAZ heute davon schreibt, dass Schmiedebach unauffällig geblieben sei, darf man bei ihm schon fast als Glanzleistung sehen. Alle drei Sechser waren nicht in der Lage, das Spiel zu gestalten und Impulse nach vorne zu setzen. Gleiches gilt auch für Prib, der sich gestern nachhaltig für die Tribüne empfohlen hat. Karaman merkte man erneut die Unerfahrenheit an. Dass er bis auf weiteres die kreative Offensive repräsentieren soll, lässt einen Gebete in Haiku-Form verfassen, damit Kiyotake vielleicht ein wenig schneller wieder einsteigen kann. Lichtblicke waren Felix Klaus (allerdings nicht frisurentechnisch), der die linke Seite gut bearbeitete und der in der 64. Minute eingewechselte Saint-Maximin. Warum dieser jedoch für Klaus und nicht für Prib kam, bleibt schleierhaft. Jedenfalls konnte er zeigen, warum viele in ihn große Hoffnungen setzen. Ein Spieler mit Technik! Bei 96!

Die Situation im Sturm: Erdinç und im späten Spielverlauf Sobiech standen auch auf dem Platz. Mehr müsste man eigentlich nicht über unseren Angriff schreiben. Jedoch wäre diese Bewertung unfair bzw. unvollständig, würde man nicht mal wieder erwähnen, warum die beiden eigentlich keine Leistung bringen konnten. Seit Jahr und Tag hängen die Stürmer bei 96 in der Luft, wenn sie sich die Bälle nicht selbst im hinteren Mittelfeld besorgen. Einzig bei Standards und nach der Einwechselung von Saint-Maximin konnten die beiden davon ausgehen, dass ein Mitspieler ihnen den Ball einmal in Strafraumnähe zukommen lassen könnte.

Insgesamt kann man der Mannschaft vielleicht noch zugutehalten, dass Kassel auch nicht so angenehm zu spielen war. Wie es bei den Spielen gegen unterklassigen Mannschaften so üblich ist, stiegen auch die Hessen gerne robust ein, sodass dem ein oder anderen vielleicht auch früh die Lust Spiel vergangen sein mag und man sich darauf geeinigt hatte, nicht mehr als nötig zu tun. Eine wahre Bestandsaufnahme wird folglich erst möglich sein, wenn das Transferfenster geschlossen ist.