Nicht nur die Mannschaft muss manchmal Lehrgeld zahlen……

Die Tour gen Kopenhagen fing im Grunde mit einem Anruf von Markus während meiner Arbeitszeit an. Die rote Kurve hat auf Facebook kurzfristig noch sieben Rückläuferkarten für einen Fanbus samt Karte für Kopenhagen angeboten und Brüderchen hat zugeschlagen. Natürlich ohne mich bzw. meinen Schichtplan zu fragen, aber den Termin hatte ich mir in weiser Vorraussicht freigehalten. Nun denn, der UEFA Cup findet also auch für uns auswärts statt und so sind wir beide am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr mit Wein (Herri), Weib (Begleitung von Markus) und Gesang (Krächz) am ZOB aufgeschlagen, wo schon eine stattliche Anzahl an Bussen und um Einlaß bittende Rote zugegen waren.

 

Auf der Hin- und Rückreise möchte ich zwei, besser drei Highlights erwähnen. Die Überfahrt mit der Fähre (auf der Hinfahrt als Landratte die Luft der großen weiten Welt genießen, gemischt mit den Abgasen des Ostseeriesen), die große Belt Brücke (auf der Rückfahrt gegen 0 Uhr überfahren, wir waren echt beeindruckt, wie wenig man nachts sehen kann) und der stete Lindwurm, der sich auf den Straßen gen Kopenhagen bewegte. Es ist nicht zu fassen, wieviele sich auf den Weg gemacht haben, noch nicht mal, wenn vor Ort links und rechts vom Gästeblock die roten Fanmassen gesehen und vor allem gehört hat. Es gibt nicht wenige Heimspiele der Roten, wo es, warum auch immer, weniger Spektakel auf den Rängen gab. Gefühlt jeder zweite PKW hatte das Niedersachsenroß auf dem Kennzeichen und/oder Schals/Fahnen in den Fenstern. Ähnliches habe ich zuletzt in der Dritten (!) Liga erlebt, wo auf dem Weg zum Spiel gegen die Amas der Bremer 1998 ähnlich viele rotgesinnte PKWs unterwegs waren. Beeindruckend!

 

Wir haben uns erst Gedanken gemacht, was uns in Sachen Risikospiel und Polizei erwarten würde, zumal ein Blick in meinen Perso am Tag vor der Abreise offenbarte, das im Juli wieder 10 Jahre rum waren und ich doch bitte einen neuen Ausweis beantragen möchte. Im Rathaus war gegen 16 Uhr natürlich alles dicht! 8 Euro und schwummerige Gefühle später, hatte ich am Abend bei der Bundespolizei meinen Ersatzausweis in den Händen, ohne das ich diesen benötigte. Vor der Fähre in Puttgarden gab es ein stattliches Aufgebot von der Trachtengruppe, mit großen Polizei Reisebussen, Zelten und Straßensperren. Aber die Jungs waren alle tiefenentspannt und haben sogar meinen abgelaufenen Ausweis als ausreichend anerkannt. Lediglich die rötlichen Wangen, die lange Haarpracht und der leicht glasige Blick haben einen zusätzlichen Blick Foto-Person-Foto aufgeworfen. Nach 10 Minuten war das ok und wir hatten auch den bundespolizeilichen Segen, in Kopenhagen rote Geschichte zu schreiben.

Vor Ort. Ca. zweieinhalb Stunden vor Anpfiff haben wir das Parkenstadion erreicht und machten uns zu dritt auf den Weg, grobe Richtung Zentrum. Ohne wirklichen Plan, wie wir dahin kommen, in voller Montur und in loser Marschrichtung sind wir der Nase nach rumgelatscht, auch in die Sølvgade. Einige dunkle Gestalten vor einer Bar, und als wir diese erreichten, auch einige drinnen haben sich unerwartet hektisch bewegt. Mit einem knackigen „Das bleibt hier“, damit war mein Schal gemeint und zwar der von der Roten Erleuchtung, wurde dieser einem Zugtest unterworfen, den ich in meinem Fall für mich entschieden habe. Markus musste seinen als Maut dortlassen. Ein besonnener von denen hat sich dazwischen gestellt und uns weggeschickt. Das hätte sonst noch lustig werden können, die Frage, für wen. Markus war dementsprechend sauer und ich konnte meinen Mund nicht halten, so das wir uns zünftig angeblafft haben. Ich verbuche das unter „Selbst schuld“, womit wir beim Titel von diesem Beitrag sind. Kurioserweise haben sie den „96 Fans gegen Rassismus“ Schal erwischt, also entweder schämen sie sich jetzt oder sie fragen sich, wer den bloß dieser Rassmus ist, gegen den wir sind.

Zum Spiel, tja, man kann es kurzmachen, nur das es quasi umgekehrt wie sonst lief, also erste Halbzeit Pfui und zwei Hui, aber mit Sternchen. Mal gucken, ob Stindls Schlenzer zum Tor des Monats wird, das Zeug dazu hat dieser. Der Support war einmalig und eine Demütigung für die Heimfans. Wir haben nach allen Regeln der Kunst den Laden gerockt und wieder einmal unseren Stempel aufgedrückt. Entgegen manchen Unken in der Liga spielen wir eine tolle UEFA Cup Saison und tun alles, um das Punktekonto in der UEFA Wertung aufzustocken. Das wir dabei eine große Chance haben, die nächste Runde zu erreichen, ist wie ich finde, ein netter Nebeneffekt. Dafür gibt man gerne mal einen Schal her!