Dem Abwärtsstrudel getrotzt und doch kaum ein Stück weiter.

Auswärts bei der Eintracht aus Frankfurt. Die ostersamtstägliche Tour führte uns an die Mainmetropole, gemeinsam mit einigen hundert anderen tapferen roten Recken und somit insgesamt 49600 Zeugen dieses Kampfes. Doch von Anfang an:

Gegen 10 fuhr die formidabel moderierte Gruppe los und es sollte etwa knapp drei Stunden später die Frankfurter Skyline am Horizont auftauchen. Wir kamen wunderbar durch und dachten, dass wir bald das Parkhaus erreichen sollten. Jedoch falsch gedacht.

Erst einmal stand da als Beschilderung auf der Autobahn „Für Parken Standstreifen benutzen“. Wir also als gehorsames Auto auf dem Standstreifen unterwegs, fuhren direkt auf einen Hinweisanhänger zu, der mit einem Pfeil nach rechts zeigte. Da war aber keine Abfahrt! – Dachten wir. Die „Abfahrt“, auf die wir da geleitet wurde, sah aus, als wenn jemand 5 Meter Leitplanke aus dem Fahrbahnrand rausgesägt hätte und wir über einen winzigen Asphaltweg mitten in der Pampa auf einen ebenso aussehenden „Parkplatz“ irgendwo auf dem Felde geschickt wurden. „Waldstadion“ kam uns in den Sinn, oder für den Abstellplatz passender: „Wildparkstadion“ (das ist aber etwas weiter im Süden. Ich schweife aus). Da wir allerdings ein Parkhausticket hatten, sollte die Odyssey noch weiter gehen und erst nach diversen Nachfragen im richtigen Parkhaus enden: mit Ordnern, bei denen einen manchmal das Gefühl beschlich, dass sie ihren Kopf ausschließlich deswegen mitführen, damit es nicht in den Hals reinregnet und Polizisten, die zwar prinzipiell Freund und Helfer, aber in dem speziellen Falle nicht wirklich hilfreich waren.

Dann sollten wir aber unsere Plätze einnehmen und ich konnte erstmals das „neue“ Stadion in Augenschein nehmen (ich kannte bisher nur das Waldstadion aus den Zweitligazeiten). Von der wirklich grauseligen Beschilderung mal abgesehen ist es eine richtig schöne Fußballarena, vom Schnitt her ähnlich unserem Rund.

Das Spiel war geprägt von einer sehr schwachen Frankfurter Mannschaft und einer entschlossenen und spielerisch überlegenen Team von der Leine, welches sich aber wie die Partien davor selbst im Wege stand. Bis in dem 16er sah es gefällig und überlegen aus, doch da wurde es dann zu ungenau.

Erstmals nach seiner Rückkehr bekam Didier Ya Konan seinen ersten Startelfeinsatz, den er durchaus überzeugend nutzte: So war er zwar noch nicht der schnellste Spieler, aber war ein steter Unruheherd.

Hätte das 1:0 für 96 sein können: Flugkopfball von Felipe

Felipe hatte in der 15. Minute die Chance zum 1:0 für unsere Jungs gehabt, köpfte aber, nach feiner Vorarbeit von Kyotake knapp vorbei. Prib hatte kurz zuvor ebenfalls die Chance für das Tor. Ich trauerte noch minutenlang der Doppelchance hinterher und dachte: „hoffentlich rächt sich das nicht“.

Fürs erste schien es, als ob es sich natürlich rächen sollte: Ein unnötiges Foul, ein fein gezirkelter Freistoß und schon köpfte Madlung zum 1:0 ein. Das Stadion tobte. 96 steckte allerdings nicht auf. Jedoch schafften sie es nicht die optische Überlegenheit bis in die Pause in was Zählbares zu verwandeln. Es sollte noch schlimmer kommen: Ein katastrophal schlechter Fehlpass sollte zum 2:0 führen. Schulz verschätzte sich, der Gegner brauchte nur noch einen Pass spielen und schon brachte Aigner den Ball hinter Zieler unter (54.) . Das Stadion brandete. Ich war bedient. Es schien wie die letzten Partien zuvor in der unsere Helden teilweise schönen Fußball zeigten, die Gegner aber die Tore machten. Mitten in die Lethargie meinerseits platzte dann Marcelos Rückenball nach einer Ecke rein. Nur noch 2:1!

Keine Pogo-Choreographie, sondern Kampf um den Frankfurter Strafraum.

Allerdings roch es schon seit einigen Minuten nach dem Anschluss. Man merkte es der Mannschaft an, dass sie sich mit dem Rückstand nicht zufrieden geben wollte und die Frankfurter nicht das Vermögen hatten, das Spiel zu bestimmen. So hatten sie zwar ein, zwei gute Chancen, das optische Übergewicht aber hatten unsere Jungs. Zumal Korkut jetzt auch noch Schlaudraff und Albornoz. Und beide brachten dem Spiel weiteren frischen wind. Das sollte dann in der 82. belohnt werden: Didier Ya Konan krönte seinen Einsatz mit einem wunderbaren Tor in dem er die Abwehr im 16er mit einem Haken narrte und dann über Abwehr und sehenswert über den Torwart zirkelte.

Plötzlich war das Stadion totenstill, bis auf der Gästeblock! Und einige Minuten später hätten wir sogar noch die Chance zum Siegtor gehabt, leider stand Stindl im Abseits. So ging dann das aufregende und Mut machende Spiel zuende.

Die Mannschaft lässt sich durchaus zu Recht von den mitgereisten Fans feiern.

Wir halten fest:

  • Die Mannschaft kann noch kämpfen. Sie hat definitiv nicht gegen den Trainer gespielt.
  • Aber auch: trotzdem haben wir einen Platz verloren, weil Freiburg gewonnen hat. Es bleibt unten eine enge Kiste. Aber die Spielweise macht Mut, dass die Mannschaft den Abstiegskampf auch annimmt.

UEFA EUROPA LEAGUE 2011-2012 Club Brügge

In der Überschrift steht es ja. Unsere geliebte Mannschaft hat die Qualifikation gegen Sevilla atemberaubend gemeistert. Die Gruppenphase überstanden und dabei tolle Spiele abgeliefert. Und nun stand also die Zwischenrunde gegen Brügge an. Zuerst im Niedersachsenstadion.

Aber das Publikum in Hannover kann einen immer noch überraschen. Die Hütte war nicht ausverkauft! Über das warum und wieso lässt sich nur spekulieren. Falsche Jahreszeit und somit zu kalt? Unattraktiver Gegner? 21:05 Uhr Anstoß unter der Woche? Gut, vielleicht hatte auch einfach keiner Lust im Süden unter den Fans aus Belgien zu sitzen, wo die freien Sitzschalen zu sehen waren.

Dieter

Dieter zittert auf dem Weg Richtung Stadion, weil vor Ausschreitungen gewanrt wurde.

Zudem musste man ja angesichts der lokalen Presseberichterstattung im Vorfeld damit rechnen, der Weg ins Stadion wird ein Spießrutenlaufen durch prügelnde Hooligans. Weil ja die deutschen und die belgischen Fans verfeindet sein sollen. Und dann muss man ja auch in der Zeitung lesen, dass Hannover 96 ein Gewaltproblem hätte.

Das alles anders kam und die Fans aus Brügge friedlich in Hannover feierten und die Atmosphäre eines europäischen Auswärtsspiels genossen, gab die passende Antwort. Die Wasserwerfer blieben also ungenutzt.

 

Der Unterrang der Nordkurve sorgte mit einer schicken Choreographie dafür, dass alle im Stadion in die Atmosphäre eines EL-Spieles eintauchen konnten.

Und die Götter in Rot legten auch gleich richtig gut los. Schlaudraff hinter Moa und Diouf sollte für den nötigen offensiven Druck sorgen. Pogatetz zurück in der Innenverteidigung neben Eggimann, der Slomka in den Spielen davor keinen Anlass gab, Haggui nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup sofort einzusetzen.

 

In der ersten Hälfte läuft die Pille gut durch unsere Reihen. Allerdings wird keine der guten Chancen abgeschlossen. Kurz vor dem Pausenpfiff scheitert der für den angeschlagenen Moa eingewechselte Rausch am Ersatzkeeper von Brügge. Deren Nummer 1 von Daum nicht für die EL nominiert wurde.

In der zweiten Hälfte machten wir auch weiter Druck. Leider konnte Brügge einen Konter sauber abschließen. Zuviel Platz auf unserer rechten Abwehrseite und eine gute Flanke sorgten für den Gegentreffer per Kopf, der unhaltbar einschlug. Unsere Mannschaft ließ sich aber nicht hängen oder wirkte verunsichert. Es wurde gekämpft und auf den Ausgleich gedrückt. Auch wenn das Schiedsrichtergespann unglaublich schlecht aufgestellt war. Der Linienrichter auf der Osttribünenseite war ganz sicher besoffen. Es wurde uns ein reguläres Tor aberkannt, ein Elfmeter nicht gegeben, auch sonst war die Leistung der Unparteiischen eine einzige Katastrophe.

Aber unsere tolle Truppe lässt sich aktuell von solchen Dingen nicht von ihrem Weg abbringen. Artur Sobiech sorgt für den umjubelten Ausgleich und holt sogar den Elfmeter für den 2:1 Sieg heraus. Den Schlaudraff mit einem Heber verwandelt. Der Sieg hätte noch deutlicher ausfallen können, aber Großchancen werden nicht genutzt.

Beim Rückspiel in Brügge ist nun alles möglich. Ich traue der Mannschaft alles zu. Momentan macht es einfach nur riesigen Spaß, dieser Truppe auf dem Rasen zuzusehen. Danke Jungs!

Pyroshows, Plastikfahnen und keinen Fisherman’s Friend

Es überraschte schon ein bisschen, dass Schlaudraff sich mit der Startelf vor dem Spiel warm machte. Daniel meinte ja: „Der spielt nicht, der trägt doch ein Leibchen.

Nun ja, ich kann ihm nicht bei jedem Spiel aufbröseln wie der Experte (ich), mit einem Blick sofort die Dinge erkennt, als würde man im Presseraum die Mannschaftsaufstellung in die Hand gedrückt bekommen. Vielleicht war ich auch deswegen so unglaublich enttäuscht, weil er mir keinen Fisherman’s Friend aus seiner Packung angeboten hatte.

Erst gibt er Melanie eine leckere Pastille, steckt sich selber eine in den Mund und verstaut dann, meinen bettelnden Blick ignorierend, das Tütchen mit dem köstlichen Inhalt wieder in die Tasche. Kein Scherz!

Irgendwann ist dann jedem klar: Schlaudraff spielt! Daniel nickt mir zu, als hätte er meine Vermutung lange vorher schon geahnt und haucht mir den unverkennbaren Geruch von Menthol ins Gesicht.

Die erste Halbzeit enthält dann auch alle schönen Dinge, die ich mir ausgemalt hatte: Schlaudraff von Beginn an, wir machen das Spiel, wir machen ein Tor, Kopenhagen will tief stehend verteidigen und mal einen Konter fahren (was nicht einmal gelingt) und wir knacken deren Abwehrriegel. Es nervt nur, gerade mal einen Treffer erzielt zu haben.

Ya Konan ist für mich nur noch ein Schatten vergangener Tage. Auch wenn er über die rechte Seite ab und an für den Hauch von Gefahr sorgte, verpuffte seine Dynamik irgendwie. Man hat immer das seltsame Gefühl, wenn er abspielen sollte, ist er zu egoistisch und wenn er mal abschließen müsste, sucht er den Mitspieler.

Pander fand ich ziemlich cool. Ein Interview mit ihm war für mich mal total erschreckend, weil er sich überhaupt nicht für Fußball interessiert. Wie jetzt? Kann doch nicht sein? Der muss doch Adrenalin freisetzen und fühlen, wie unglaublich es beispielsweise war gegen England zu treffen oder wie es sein muss mit Hannover in der Europa League zu spielen?

Dieses kühle Abrufen seines Talents ist mir erstmals gestern aufgefallen. Er wirkte fitt und selbstsicher. Das reicht dann auch für ihn um einen richtig guten Job zu erledigen. Wo und wie und gegen wen scheint nicht so wichtig. Das kann dann natürlich auch ein Vorteil sein.

Die zweite Hälfte war kacke. Da wollten wir dann locker flockig unseren Stiefel runter spielen. Kopenhagen schaltete einen Gang hoch was die Laufbereitschaft betraf und zeigte plötzlich den Willen selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Das konnte unsere geliebte Mannschaft nicht so richtig einordnen. Was folgte war Verunsicherung. Daraus resultierte dann die gesamte Bandbreite, die so ein Spiel zum kippen bringt. Kennen wir ja schon, zwei völlig verschiedene Halbzeiten eben.

Es fällt ein überflüssiges doofes Gegentor zum 1:1. Vieles deutete darauf hin. Die Gäste waren zurück im Spiel. Und das absolut verdient.

Nach unserem ersten Tor brannten bei uns die Bengalos im Block. Die Gäste ließen sich nach ihrem Tor nicht lange bitten und zogen ihrerseits die mitgebrachte Feuerwerkstechnik aus ihren …… Keine Ahnung woraus. Jedenfalls qualmte es ziemlich oft.

Fußball ist auch deswegen so schön oder so schlimm, weil der Spielverlauf keineswegs auf das Endergebnis schließen lässt.

81. Minute: Pinto. Ball. Schuss. Tor. Abdrehen. Europapokal! Alles ist gut. Gleich ist es vorbei. Verdammte Axt! Wie geil ist das denn?

89. Minute: Krawumm! Ausgleich. Aus. Vorbei. Gefühlte Niederlage. Was? Hallo? Wie jetzt?

Immerhin hat Poltawa in Lüttich ein 0:0 geholt. Die Tabellensituation in unserer Gruppe sieht dann momentan so aus:

  1. Standard Lüttich (5 Punkte)
  2. Hannover 96 (5 Punkte)
  3. FC Kopenhagen (4 Punkte)
  4. Worskla Poltawa (1 Punkt)

Au backe! Meine armen Nerven. Das wird kein Spaziergang.