Wie heißt noch mal der Schiedsrichter?

Hörte man es immer öfter auf den Rängen, nachdem immer klarer wurde, dass dort ohne erkennbare Linie ein gewisser Robert Hartmann einen ganz schlechten Tag erwischt hatte. Später dazu mehr.

Der Anhang von Hertha BSC freute sich immens, endlich mal wieder das schönste Stadion der Bundesliga von innen zu sehen und bot ein beeindruckendes Bild beim Einlaufen der Mannschaften. Ein prall gefüllter Gästeblock im rot-weißen Fahnenmeer.

Für uns fing es relativ gut an. Die erste Halbzeit hatten unsere Jungs den Aufsteiger aus Berlin fest im Griff. Nur führte unsere Überlegenheit noch nicht zu Torchancen. Nach 10 Minuten hatte dann Haggui die Gelegenheit, ein Tor per Kopfball zu machen. Nach schönem Freistoss von Pinto. Jedoch parierte Kraft den Ball und lenkte ihn über die Latte.

Hertha stand tief und wirklich zündende Ideen kamen von uns nicht. Da musste das eben Pinto aus der Distanz erledigen. Freistoss aus ca. 30 Metern, halb linke Position. Die Berliner stellten eine Mauer mit drei Mann. Schlaudraff passierte diese Richtung Strafraum und zog einen Mann auf sich. Da waren es nur noch zwei. Pinto hämmerte die Pille mit einem schönen Aufsetzer links unten ins Eck, wo vorher gerade noch der dritte Mann stand.

Jubel brach aus. Alles im grünen Bereich. Jetzt musste Hertha etwas tun und wir würden die Räume bekommen, um bei Ballgewinn schnell auf Angriff umzuschalten. Bis zur Pause passierte nicht mehr viel auf dem Platz.

In den zweiten 45 Minuten verpassten wir es völlig, Akzente zu setzen. Bälle wurden leichtfertig vertändelt. Die Berliner bekamen ihre Möglichkeiten.

Schiri Hartmann stand nun auch mehr und mehr im Mittelpunkt. Er war mit diesem Bundesligaspiel sichtlich überfordert. Normale Zweikämpfe wurden abgepfiffen. Nach harten oder taktischen Fouls diskutierte er munter drauflos, anstatt einfach die gelbe Karte zu zeigen. Hatte man in der ersten Halbzeit nach einem nicht gewährten Vorteil für uns nur kurz lautstark gemosert, wurde nun der Unmut auf den Rängen immer größer.

Die Unkonzentriertheiten in unseren Reihen rächten sich. Lell konnte ungestört über die rechte Seite den Ball scharf hereingeben. Haggui kam im Zentrum auch zu spät und es stand 1:1.

Um auf die Einleitung zurückzukommen, bekamen wir kurz vor Feierabend noch einen Freistoss der unberührt nach Hereingabe in den Sechzehner ins Tor ging. Leider hob der Assistent an der Linie die Fahne. Was war geschehen, wollte auch Herr Hartmann wissen und sprach mit seinem Kollegen. Geschehen war nichts, aber der Treffer zählte nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann zuletzt ein Schiedsrichter so aus dem Stadion gepfiffen wurde. Der bereits ausgewechselte Schlaudraff wollte ihm nach Abpfiff noch an die Gurgel, wurde aber von Slomka zurückgehalten.

Auch wenn die Leistung des Pfeifenmannes auf dem Platz unterirdisch war, müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Denn wir haben es versäumt, das zweite Tor zu machen, und eine grottenschlechte zweite Hälfte gespielt.

Glücklicherweise werden wir Donnerstag in Europa für eine kleine Sensation sorgen und Sevilla aus dem Wettbewerb schmeißen, weil wir beim Spiel gegen Hertha etwas gelernt haben. Also dann 90 Minuten volle Konzentration und weiter geht die wilde Fahrt.

Europa!

96-sevilla europapokalWas für ein denkwürdiger Tag war das! Nach 19 Jahren ohne internationalen Auftritt (eigentlich ja sogar noch viel länger) durften die Roten endlich wieder einmal auf der europäischen Bühne gegen den Ball treten. Zwar handelte es sich bei dem Spiel gegen den FC Sevilla offiziell nur um die Qualifikationsrunde zur EuropaLeague, dennoch dürfte das Spiel zu den fußballerischen Höhepunkten der Fan-Karriere vieler 96-Anhängern zählen.

„Schuld“ daran war vor allem ein gewisser Jan Schlaudraff (spielt ja bekanntlich nie wieder für uns…). Mit zwei wunderschönen Toren – den Jubel zum 1:0 konnte man, so berichtete mir ein Nachbar, bis nach Badenstedt hören, sorgte er für den 2:1-Sieg gegen die hoch favorisierten Spanier. Das Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich könnte trotz des grandiosen Sieges jedoch noch teuer werden, zählen Auswärtstreffer doch doppelt. Und so war es auch die richtige Entscheidung der Mannschaft, nur brav eine Runde durch das weite Rund des Niedersachsenstadions zu drehen und sich nicht ausgiebig feiern zu lassen.

Denn geschafft ist bis jetzt noch nichts. Dafür muss am kommenden Donnerstag noch nachgelegt werde. Vor allem muss auf Teufel-komm-raus verhindert werden, dass Sevilla das erste Tor schießt. Denn sollte das passieren, ist ein Zeitschinden vorprogrammiert – im Zweifelsfall auch über 89 Minuten.

Bis dahin sind es aber noch ein paar Tage und eine andere Aufgabe muss noch gemeistert werden. Heute gastiert der BSC Hertha in Hannover. Mit einem Sieg gegen den Aufsteiger könnte ein Schlachtruf im Niedersachsenstadion intoniert werden, den man hier lange nicht mehr hören konnte. In sofern: Kopf frei von Europa machen und:

Auf!

2:1-Sieg gegen das Projekt

Schlaudraff!

In der Saison 2008/09 trat die TSG Hoffenheim, die sich gerne aus Traditionsgründen selbst noch eine 1899 anbatscht, das erste Mal in der Bundesliga an, um mit viel Geld und wenig Fans den deutschen Fußball zu revolutionieren. Spieler aus der eigenen Jugend (oder eher: Spieler, die der Konkurrenz für viel Geld weggekauft wurden) sollten dieses organisch gewachsene Gebilde (oder eher: dieses durch einen Mäzen aus dem Boden gestampfte Gebilde) mit Fußball der modernen, herzerfrischenden Art an die Spitze der Bundesliga katapultieren.

In der besagten Saison klappte das anfangs noch ganz gut. Immerhin wurde man bei der Bundesliga-Premiere Herbstmeister und man belegte am Ende der Spielzeit einen für einen Aufsteiger beachtlichen achten Platz. Das Zittern der Traditionalisten in den anderen Clubs vor einem Haufen Vereine, die analog hochgezüchtet werden könnten hallte noch lange in die Sommerpause nach.

Doch schon in der nächsten Saison musste sich das Projekt weiter nach unten statt nach oben orientieren. Platz 11 stand am Ende zu Buche und sorgte für erste Missstimmungen im Hoffenheimer Idyll. Die gleiche Platzierung konnte in der vergangenen Spielzeit wiederholt werden und der Bundesliga-Alltag holte Hoffenheim endgültig ein: Spieler wurden gegen den Willen des Trainers verschachert, der ach-so-tolle Konzepttrainer Trainer verließ das sinkende Schiff, um Teil des an Lächerlichkeit kaum zu überbietenden Trainer-Wechsel-dich-Spielchen zu werden.

An diesem Spielchen nahm auch der aktuelle Trainer der TSG teil, der mit ganz dolle Pipi in den Augen beteuerte, dass er immer ein Hamburger bleiben würde, um im gleichen Atemzug St. Pauli in Richtung Hoffenheim zu verlassen.

Nun stand der „Stani“ also am vergangenen Samstag zum ersten Mal in der Bundesliga als Chef-Trainer des Projekts an der Seitenlinie, um im hannoverschen Niedersachsenstadion die beinahe-Katastrophe aus der ersten DFB-Pokal-Runde vergessen zu machen.

Mit mäßigem Erfolg.

Hannover 96 war an diesem Saisonauftakt einfach die clevere Mannschaft und hatte mit Jan Schlaudraff einen ausgefuchsten Spieler auf dem Platz. Bereits nach 15 Minuten sorgte der Spieler, der – wir erinnern uns – laut Martin Kind nie wieder für Hannover 96 spielt, mit einem außergewöhnlichen Freistoß für die 1:0-Führung. In Hoffenheim weint man seitdem, wie böse und gemein doch Schiedsrichter Kinhöfer sei. Und in einem Forum der TSG fragt man sich wohl immer noch, ob man nicht beim DFB Anklage erheben könne (so ungefähr ab hier wird’s lustig). Zugegebenermaßen ist die Aufregung ja zu verstehen, aber das ausgerechnet in Hoffenheim vermutet wird, das irgendwas gekauft sein könnte, ist mindestens mit einem feinen Hauch an Ironie belegt.

Viel mehr als dieses Tor ist von dem Spiel leider nicht zu erwähnen: Die beiden anderen Tore fielen nach Elfmetern, wobei der für Hoffenheim durch eine einigermaßen ungeschickte Aktion von Pogatetz und der für Hannover durch eine einigermaßen geschickte Aktion von Schlaudraff zustande kam.

Den Rest des Spiels verwaltete 96 das Ergebnis im Stile einer Spitzenmannschaft, wobei die Harmlosigkeit der Hoffenheimer im Abschluss sicher auch ihren Teil zum dreifachen Punktgewinn beitrug. Aber danach fragt spätestens nach dem 34. Spieltag eh keiner mehr nach.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass der Trend der letzten beiden Jahre sich fortsetzt: Wer am ersten Spieltag gegen Hannover spielen muss, steigt ab.