Unvermögen

Nachdem die Spiele gegen Schalke und Mainz eher suboptimal gelaufen waren, ging es am gestrigen Samstag zum kleinen hsv aus Hamburg. Wie üblich wurde vor dem Spiel viel versprochen; dass wenig davon gehalten wurde, ist inzwischen schon eine Art Gewohnheitssache.

Natürlich könnte man sagen, dass das Spiel gestern ein wenig unglücklich gelaufen ist. Ein vergebener Elfmeter und zwei Tore unter fleißiger mithilfe von Marcelo, von denen das zweite auch noch nach einem eigentlich klaren Foul an Schmiedebach fiel, wären da durchaus eine Basis für solch eine Interpretation.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Schließlich waren auch die ersten beiden Partien dieses Jahres irgendwie unglücklich gelaufen. Und wenn es andauernd unglücklich läuft, steckt vielleicht doch mehr dahinter. Vor allem dann, wenn man sich einmal die Ausbeute aus den letzten zehn Spielen anschaut (zwei Siege, drei Unentschieden, fünf Niederlagen: macht 9 von 30 Punkten und damit eindeutig nicht sehr viel). Die Sorgenfalten dürfen also im Moment gerne wieder etwas tiefer werden.

Exemplarisch herausgegriffen werden als Begründung für die Wahl der Überschrift, sollen nach dem gestrigen Spiel zwei Spieler: Hiroki Sakai und Joselu.

Letzterer ist einfach abgefrühstückt. Zwar ackert er gut für die Mannschaft, was er jedoch im Moment auf den entscheidenden letzten Metern zeigt, sorgt für Kopfschütteln. Derzeit ist er die teuerste Harmlosigkeit der Vereinsgeschichte. Der Grat, auf dem Korkut zwischen Denkpause und Vertrauen wandeln muss, ist schmal. Dass Sobiech durch seine Hineinnahme deutlich mehr Torgefahr versprühte, sollte des Trainers Gedanken eigentlich eher in Richtung Denkpause bewegen.

Bei Sakai ist die Situation schwieriger, schon allein, weil man Gefahr läuft, aus ihm einen Sündenbock zu machen, so wie es die Schmierfinken der HAZ wohl derzeit tun (Achtung, nur Hörensagen für mich, da ich dieses Blatt nicht wirklich lese; die Berichte darüber scheinen mir aber authentisch zu sein). In der Offensivbewegung ist Sakai sicherlich kein schlechter. Stastikfreaks behaupten auch immer wieder, dass seine Werte vollkommen okay seien. Dennoch sagt das Bauchgefühl, dass enorm viele Tore ihren Ursprung auf unserer rechten und damit auf Sakais Seite haben. Beim 1:0 der Hamburger war das definitiv so, ebenso beim Siegtreffer der Schalker zwei Spieltage zuvor. Wer Sakai da auch immer gnadenlos verteidigt möge sich deshalb auch bitte eine Frage stellen: Warum probieren die Gegner so unendlich viel über eben diese Seite? Eben. Und das, obwohl unsere linke Seite nun wahrlich kein Filetstück ist. Sakai darf gerne weiter auf dem Platz stehen. Aber unter keinen Umständen als rechter Verteidiger. Das kann er einfach nicht.

Zum Schluss noch eine Art Disclaimer. Natürlich sind diese beiden Spieler nicht die Schuldigen für die geringe Ausbeute aus den letzten Partien. Allein, dass gegen Mainz mal wieder eine gute und eine richtig, richtig miese Halbzeit gezeigt worden sind, ist ein klares Zeichen dafür, dass es im Unvermögen derzeit eine unschöne mannschaftliche Geschlossenheit gibt.

UEFA EUROPA LEAGUE 2011-2012 Club Brügge

In der Überschrift steht es ja. Unsere geliebte Mannschaft hat die Qualifikation gegen Sevilla atemberaubend gemeistert. Die Gruppenphase überstanden und dabei tolle Spiele abgeliefert. Und nun stand also die Zwischenrunde gegen Brügge an. Zuerst im Niedersachsenstadion.

Aber das Publikum in Hannover kann einen immer noch überraschen. Die Hütte war nicht ausverkauft! Über das warum und wieso lässt sich nur spekulieren. Falsche Jahreszeit und somit zu kalt? Unattraktiver Gegner? 21:05 Uhr Anstoß unter der Woche? Gut, vielleicht hatte auch einfach keiner Lust im Süden unter den Fans aus Belgien zu sitzen, wo die freien Sitzschalen zu sehen waren.

Dieter

Dieter zittert auf dem Weg Richtung Stadion, weil vor Ausschreitungen gewanrt wurde.

Zudem musste man ja angesichts der lokalen Presseberichterstattung im Vorfeld damit rechnen, der Weg ins Stadion wird ein Spießrutenlaufen durch prügelnde Hooligans. Weil ja die deutschen und die belgischen Fans verfeindet sein sollen. Und dann muss man ja auch in der Zeitung lesen, dass Hannover 96 ein Gewaltproblem hätte.

Das alles anders kam und die Fans aus Brügge friedlich in Hannover feierten und die Atmosphäre eines europäischen Auswärtsspiels genossen, gab die passende Antwort. Die Wasserwerfer blieben also ungenutzt.

 

Der Unterrang der Nordkurve sorgte mit einer schicken Choreographie dafür, dass alle im Stadion in die Atmosphäre eines EL-Spieles eintauchen konnten.

Und die Götter in Rot legten auch gleich richtig gut los. Schlaudraff hinter Moa und Diouf sollte für den nötigen offensiven Druck sorgen. Pogatetz zurück in der Innenverteidigung neben Eggimann, der Slomka in den Spielen davor keinen Anlass gab, Haggui nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup sofort einzusetzen.

 

In der ersten Hälfte läuft die Pille gut durch unsere Reihen. Allerdings wird keine der guten Chancen abgeschlossen. Kurz vor dem Pausenpfiff scheitert der für den angeschlagenen Moa eingewechselte Rausch am Ersatzkeeper von Brügge. Deren Nummer 1 von Daum nicht für die EL nominiert wurde.

In der zweiten Hälfte machten wir auch weiter Druck. Leider konnte Brügge einen Konter sauber abschließen. Zuviel Platz auf unserer rechten Abwehrseite und eine gute Flanke sorgten für den Gegentreffer per Kopf, der unhaltbar einschlug. Unsere Mannschaft ließ sich aber nicht hängen oder wirkte verunsichert. Es wurde gekämpft und auf den Ausgleich gedrückt. Auch wenn das Schiedsrichtergespann unglaublich schlecht aufgestellt war. Der Linienrichter auf der Osttribünenseite war ganz sicher besoffen. Es wurde uns ein reguläres Tor aberkannt, ein Elfmeter nicht gegeben, auch sonst war die Leistung der Unparteiischen eine einzige Katastrophe.

Aber unsere tolle Truppe lässt sich aktuell von solchen Dingen nicht von ihrem Weg abbringen. Artur Sobiech sorgt für den umjubelten Ausgleich und holt sogar den Elfmeter für den 2:1 Sieg heraus. Den Schlaudraff mit einem Heber verwandelt. Der Sieg hätte noch deutlicher ausfallen können, aber Großchancen werden nicht genutzt.

Beim Rückspiel in Brügge ist nun alles möglich. Ich traue der Mannschaft alles zu. Momentan macht es einfach nur riesigen Spaß, dieser Truppe auf dem Rasen zuzusehen. Danke Jungs!

Perspektivenwechsel

1:2, 2:2, 1:4, 1:1, 1:1, 0:0, 1:1, 0:0. So lauteten die Ergebnisse von 96 in der Bundesliga vom 11. bis zum 18. Spieltag. „Seit acht Spielen nicht mehr gewonnen“ ist das, was Pessimisten und Reporter daraus machten. Nun, drei Spieltage später wurde die Reihe ergänzt: 1:0, 1:0, 1:1. Und schon wird aus der Sicht der Dinge eine neue: „Seit acht Spielen nicht mehr verloren.“ Verrückte Fußballwelt.

Das letzte Ergebnis in der Reihe steht für das Unentschieden, das gestern in der bestimmt bestgelauntesten Stadt Deutschlands, in Mainz, erzielt wurde. Dabei durfte es sich um eines der besten Spiele mit 96-Beteiligung in der bisherigen Saison gehandelt haben. Von Anfang an gingen beide Teams ein hohes Tempo und erarbeiteten sich viele gute Chancen, von denen der Rückkehrer Mohamed Zidan eine in Zählbares für die Gastgeber verwandeln konnte. Wer glaubt, dass er schon alles an peinlichen Jubel-Einlagen gesehen hat, der sollte sich Zidans „Torjubel“ von gestern noch einmal genauer anschauen. Statt sich wirklich ernsthaft über das Tor zu freuen, stopfte sich der Wieder-Mainzer einen Schnuller in die Schnute. Völlig jeck. Was sind die Meeenzer doch für ein spaßiges Völkchen. Und wie sehr er doch seine alte, neue Heimat liebt, konnte Zidan noch bei seiner Auswechslung zeigen, als er sich wie ein brünftiger Gorilla ein paar Mal auf die Brust bzw. das dort befindliche Mainz-Logo kloppte. Es geht doch nichts über authentische Emotionen.

Schade, dass das Fernsehen den Zuschauern nicht noch den Gefallen getan und ihn in der letzten Spielminute gezeigt hat. Es wäre doch sehr spannend gewesen, Zidan dabei zu beobachten, wie kurz vor knapp 96 es doch noch schaffte den verdienten Ausgleich zu erzielen. Sobiech, der viel zu spät für den erschreckend schwachen Konstantin Rausch eingewechselt wurde, erzielte nach einer Vorlagenkombination von Pander und Haggui seinen ersten Bundesligatreffer und so konnten die tapferen Auswärtsfahrer und die Mannschaft zumindest einen Punkt von freundlichen Mainzern mitnehmen. Besonders Christian Wetklo war davon so begeistert, dass er vor lauter Freude sich noch eine gelbe Karte einhandelte.