Scheiß Royal Standard Club de Liège

Lüttich war auch deswegen klar zu schlagen, weil mir diese ganze Geschichte rund um das Stadtverbot für die Auswärtsfahrer mächtig auf den Sack ging. Wie es aussehen kann, wenn ein anderes Konzept gefahren wird, haben wir in Brügge gesehen. Freiheit für den Fußballfan, nette Polizei und eine offenherzige Stadt, die ein wunderbares Auswärtserlebnis hinterlassen hat.

Lüttich hingegen haben die beim Hinspiel mitgereisten Leute in keiner guten Erinnerung. Eingesperrt wie Vieh wird man direkt zum Stadion verfrachtet. Im Inneren von Ordner und der Polizei behandelt wie im Knast. Direkt nach dem Spiel wieder weggejagt. Die zweifelhafte Anhängerschaft von Wisla Krakau hingegen durfte sich bei ihrem Spiel bei Standard in der Zwischenrunde in der Stadt aufhalten und die Fans wurden nicht mit irgendwelchen Auflagen bedacht.

Was jetzt genau zu den Maßnahmen führte, die Bürgermeister Willy Demeyer gegen uns durchführte, ist nicht mehr zu klären.

Sind das diese sogenannten Ultras?

Das brachte ich also mit ins Stadion. Natürlich wollte ich weiterkommen und sehr gerne den nächsten Trip zu einem Auswärtsspiel in Europa planen, aber ich wollte auch einen klaren Sieg, eine klare sportliche Antwort auf die ganze Scheiße im Vorfeld.

Das Pack vom anderen Stamm durfte also ein zweites Mal ins wunderschöne Niedersachsenstadion kommen. Und Moa nutzte in der vierten Minute eine tolle Flanke von Schlaudraff und zeigte denen gleich mal was Sache ist. Tor! Goldrichtig zu diesem frühen Zeitpunkt. Als Pinto über die rechte Seite durchbrach und mit einem fulminanten Schuss in Minute 21. die verdiente 2:0 erzielte, viel eine Menge Anspannung von mir ab und ich freute mich riesig über unsere großartige Mannschaft.

Wir hatten noch Glück in der ersten Halbzeit den Anschlusstreffer nicht zu bekommen, aber das sollte an diesem Tag eben genauso sein. Der eingewechselte Dieter Ya Konan nutzte auch wie Pinto bei seinem Tor den Gegenspieler Kanu als Bande um das 3:0 zu machen. Schon wieder abgefälscht, schon wieder von Kanu. Der hatte übrigens auch die Großchance von Lüttich kläglich vergeben. Zudem hatten die in schlafanzugblau spielenden Gäste auch einen Spieler in der 58. Minute durch eine Gelb-Rote Karte verloren. So hatte ich mir das vorgestellt.

Pinto ballert in der Nachspielzeit noch das 4:0 und dann können wir endlich einen Haken hinter Lüttich machen. Das ein Teil der Anhängerschaft noch brennende Feuerwerkskörper in den Südunterrang geschmissen hat, ist deshalb auch egal, weil zum Glück nichts passierte. Die passende Antwort haben Willy Demeyer und der kleine Teil Vollidioten der Gästefans auf dem Platz bekommen. Und zwar volle Pulle 4 zu 0 in die Fresse!

Vielen Dank mal wieder an unsere unglaubliche Truppe. Weiter geht die wilde Fahrt durch Europa!

Artur Sobiech – alias “Dr. Artur”

Nun hat er endlich seinen ersten Einsatz für unseren geliebten Verein gehabt. Also höchste Zeit über ihn und sein Debüt zu schreiben.

Nach geschickten Ablenkungsmanövern unseres (in sich ruhenden) Brummbären Jörg Schmadtke (der vom Modejournal 11Freunde zum bestgekleideten Manager der Branche gewählt wurde) konnte “Dr. Artur” von Polonia Warschau verpflichtet werden.

Den Spitznamen “Dr. Artur” hat sich unser Stürmertalent in Polen erarbeitet. Einer seiner Spezialitäten war dort, den Ball seinem Gegner in vollem Lauf quasi chirurgisch zu entfernen. Immer von hinten. Der Gegenspieler lief meistens noch einige Meter weiter, in der Annahme den Ball noch zu führen. Ähnlich wie ein Huhn, dem man den Kopf abgeschlagen hat.

Währenddessen “Dr. Artur” bis zum anderen Sechzehner, mit gewonnenem Ball durchpreschte, um den Abschluss zu suchen. Auf diese Weise gelangen ihm eine Menge Tore.

In Warschau machte ihm sein Reizknie zu schaffen. Jedoch sollte diese Lappalie für einen Doktor (“Dr. Artur” himself), kein sehr großes Problem darstellen. Er arthroskopierte sich kurz entschlossen selbst. Entfernte dabei vermeintliche Knorpelrückstände aus seinem Knie. Er führte die Arthroskopie allein vor einem Spiegel durch. Für keine der beteiligten Personen bei der Operation war vorhersehbar, dass er sich in das falsche Knie bohrte.

Um weitere Fehler zu vermeiden, kümmerte sich dann in Hannover jemand anderes um das tatsächliche Reizknie. Die Vorbereitung war zwar futsch, aber nervös saß er dann endlich auf der Ersatzbank und verfolgte das Spiel gegen die Typen aus dem Dingensgebiet.

Es lief bisher nicht optimal für die Roten. Hässliche Dortmunder führten 1:0. Als endlich die große Stunde von Dr. Artur kommen sollte. Schlaudraff musste für ihn runter. Tore sollten nach seiner Einwechslung schnell für unsere Mannschaft fallen. Haggui köpft nach schönem Eckball von Pander fulminant ins Netz. Dieter steht auch nicht auf die Typen mit den schwarzen Füßen und den gelben Zähnen und rehabilitiert sich mal kurz selbst, indem er wunderschön einen Pass von Pinte an der Strafraumgrenze runterpflückt und verwandelt. “Dr. Artur” jubelt mit.

Dann läuft die neunzigste Minute. Mac Silva von den Gegnern treibt den Ball richtung Mittellinie, kurz hinter ihm unser neuer Stürmer. Ich biss mir auf die Unterlippe und denke: “Jetzt entferne diesen Ball Dr. Artur!”

Das macht er dann auch. Allerdings rutsch er aus
ca. 4 Metern, mit beiden Beinen voran, mit ca. 60 km/h, von hinten, volles Rohr in Mac Dingenskirchen rein und fällt den kleinen Gelben ohne chirurgische Präzision. Kurzer Schock auf den Rängen (siehe Bild rechts). Rote Karte für “Dr. Artur” und dann ist das Spiel aus.

 

Wir gewinnen mit 2:1 gegen Undihrwolltdeutschermeistersein. In der Bundesliga ist das Tempo wohl ein Fünkchen höher. Die Technik womöglich ein wenig ausgefeilter. Alles eine Frage der Zeit, Artur.

Ich verzeihe ihm seine Aktion. Und ich hoffe, er verzeiht mir diesen Artikel. Love!